SAP in Osteuropa
Bangalore in Böhmen

Die nächste Welle der Globalisierung: Nach der Verlagerung der Produktion lassen immer mehr deutsche Unternehmen auch Verwaltungstätigkeiten im kostengünstigen Mittel- und Osteuropa erledigen.
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DÜSSELDORF. Ein rascher Blick auf die Deutschlandkarte an der Wand, dann konzentriert sich Jana Zavodska wieder auf ihren Flachbildschirm. Die Reisebuchhalterin des Softwarekonzerns SAP vergleicht die Strecke Walldorf-Stuttgart mit der Entfernungsangabe in ihrem Reisemanagement-Programm. Gewissenhaft kontrolliert die 28-Jährige die Spesenabrechnung eines Kundenberaters, prüft seine Hotelrechnung, arbeitet sich durch Parkquittungen und andere Spesenbelege. Eine Verwaltungsaufgabe, wie sie hunderttausendfach in deutschen Unternehmenszentralen erledigt wird.

Doch Jana Zavodska arbeitet nicht in Walldorf, sondern im neuen SAP-Verwaltungszentrum in Prag, das schon bald für die knapp 22.000 Mitarbeiter aus den SAP-Gesellschaften in Europa, im Nahen Osten und in Afrika zuständig sein wird. Bereits jetzt beschäftigt es 220 Mitarbeiter - bald sollen es 300 sein.

SAP ist nicht der einzige deutsche Konzern, der standardisierte Verwaltungstätigkeiten ins kostengünstigere Mittel- und Osteuropa verlagert. Und nicht nur in Tschechien, auch in Estland und Polen, der Slowakei, Ungarn und Rumänien schießen Service- und Verwaltungszentren wie Pilze aus dem Boden. Die Deutschen vollziehen damit nach, was Briten und Amerikaner schon seit Längerem betreiben. Nearshoring nennen sie die Verlagerung von Jobs ins nahe gelegene Ausland - abgeleitet von Offshoring, womit meist die Verlagerung von Arbeitsplätzen in weiter entfernte Regionen wie Indien oder China gemeint ist.

Bisher haben die deutschen Unternehmen unter dem Wettbewerbsdruck der Globalisierung vor allem arbeitsintensive industrielle Produktion an kostengünstigere Standorte verlagert. Nun beginnen sie, auch ihre Verwaltungs- und Dienstleistungsprozesse in großem Stil ins billigere Ausland zu transferieren.

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