Sarbanes-Oxley-Act
Das Pendel schlägt zurück

Nach harscher Kritik - vor allem aus Europa - signalisiert die US-Regierung eine Aufweichung des umstrittenen Sarbanes-Oxley-Gesetzes gegen Bilanzfälschung und Betrug. Von den Änderungen würden nicht nur amerikanische Unternehmen, sondern auch deutsche Konzerne profitieren.

WASHINGTON / NEW YORK / DÜSSELDORF. Der weltweit umstrittene Sarbanes-Oxley-Act (SOX), mit dem die USA Bilanzskandale à la Enron oder Worldcom verhindern wollen, könnte gelockert werden. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt sagte der neue US-Finanzminister Hank Paulson: "Das Pendel schwingt oft zu weit. Die Herausforderung ist nun, die richtige regulatorische Balance zu finden." Experten erwarten aber nicht, dass die Haftung für Manager im Betrugsfall entschärft wird. Vielmehr könnten die scharf kritisierten hohen Kosten der umfangreichen Compliance-Regeln reduziert werden.

Kurt Bock, Finanzvorstand des Chemiekonzerns BASF, begrüßt es, "wenn in den USA Reformen tatsächlich und ernsthaft angestrebt werden sollten". Die Qualität der Rechnungslegung in der BASF-Gruppe sei durch SOX nur unwesentlich verbessert worden. Aufwand und Nutzen stünden in "keinem vernünftigen Verhältnis".

Das 2002 verabschiedete SOX-Gesetz ist eher eine Generalvorschrift. Ausgefüllt hat die amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) das Regelwerk. Unter die Regularien fallen alle Unternehmen, die an einer Börse in den USA gelistet sind. Darunter allein 19 aus Deutschland. Viele Firmen fühlen sich aber zu Unrecht mit Enron in einen Topf geworfen und klagen über die enormen Kosten und den hohen Zeitaufwand, der damit verbunden ist, die Regeln zu befolgen.

Zu welch skurrilen Reaktionen das Gesetz führen kann, zeigt das Beispiel einer europäischen Großbank. "Die leitenden Angestellten bei uns müssen abends durch die Büros ihrer Mitarbeiter laufen, um sicherzustellen, dass alle Unterlagen in den Schubladen verschlossen wurden", berichtet ein Banker.

Erst kürzlich waren zwei renommierte US-Experten zu dem Ergebnis gekommen, dass die Sarbanes-Oxley-Regelungen ein "kolossaler Fehler" gewesen seien. Henry Butler and Larry Ribstein von der Chapman University bzw. University in Illinois plädieren für eine Revision. Allerdings bezweifeln sie, dass es zu einer Reform kommen wird. "Einflussreiche Interessengruppen und die Presse stehen dahinter - auch wenn die Gesellschaft verliert", schreiben die Autoren. Nach Einschätzung aus Wirtschaftskreisen stehen die Chancen dagegen gar nicht so schlecht, dass SOX vom Kongress korrigiert wird.

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