Sberbank
Kärrnerarbeit für den Sonnyboy des Kreml

German Gref ist der neue Chef der staatlich kontrollierten Sberbank. Der Wechsel des ehemaligen russischen Wirtschaftsministers ist überraschend; doch auch seine neue Aufgabe bringt große Herausforderungen mit sich: Der Chef der Sberbank steht vor einem schwierigen Start – reihenweise wichtige Vorstände scheiden im Protest aus dem Unternehmen.

MOSKAU. Ob er sich nach seiner Zeit als Wirtschaftsminister einen Job bei einem Unternehmen vorstellen könnte, fragte vor gut einem Jahr die russische Wirtschaftszeitung „Wedomosti“ German Gref. Anders als sein damaliger Chef Wladimir Putin machte dessen langjähriger Weggefährte keinen Hehl aus seinen Ambitionen: Er sehe sich im „business“, ließ er wissen.

Aus dem „business“ wurde nun „finance“: Nach seiner Entlassung aus dem Kabinett im September wechselt Gref für viele Beobachter überraschend zur staatlich kontrollierten Sberbank. Ausruhen wird er sich an der Spitze des 90 Mrd. Dollar schweren Branchenführers in Mittel- und Osteuropa nicht können. Denn so wie es derzeit steht, dürften ihm wohl die wichtigsten Vorstände von der Fahne gehen. Zu Wochenbeginn nominierte der Verwaltungsrat der Bank Gref zwar als einzigen Kandidaten und machte die Personalie erstmals offiziell.

Doch so ganz reibungslos lief die Abstimmung wohl nicht ab. Gleich drei Schwergewichte im elfköpfigen Rat stimmten nach Angaben russischer Zeitungen gegen den ehemaligen Wirtschaftsminister, darunter auch Andrej Kasmin, der die Bank zwölf Jahre geleitet und ihren Marktwert verhundertfacht hat. Ähnlich schwer wiegt auch das Veto seiner rechten Hand, Alla Aljoschkina. Sie gilt als diejenige, die in der ehemaligen sowjetischen Sparkasse die Fäden in der Hand hält und das operative Geschäft führt. Auch Sberbank-Vizechefin Bella Slatkis hat offenbar die Hand gegen den 43-jährigen Gref gehoben. Alle drei und bis zu neun Mitglieder des Topmanagements verkauften zudem ihre Aktienpakete – im Wert von 57 Mill. Dollar.

Beobachter in Moskau werten dies als ein „Zeichen“. Gref, der zwar als Minister schon im Verwaltungsrat der Bank saß, aber sonst als Karrierebeamter und studierter Jurist keine Erfahrung im Bank-Management aufweisen kann, wird sich wohl ein neues Führungsteam zusammensuchen müssen. Was hinter den Vetos und den Aktienverkäufen tatsächlich steckt, blieb gestern im Dunkeln. „Persönliches“, mutmaßt der Chef einer ausländischen Bank in Moskau.

Gref-Vorgänger Kasmin waren schon politische Ambitionen nachgesagt worden, nun soll er die russische Post auf Vordermann bringen. Während die Sberbank heute als erfolgreicher Selbstläufer dasteht, bedarf sein neuer Job einer erheblichen Kraftanstrengung. Gut möglich, dass Kasmin nicht ganz freiwillig dem schon länger als amtsmüde geltenden Gref Platz machen musste. Bekannt ist zudem: Kasmin und Aljoschkina sind ein Paar – Kollegin Slatkis die Patentante des gemeinsamen Kindes. Vielleicht kann der in Kasachstan als Spross vertriebener Russlanddeutscher geborene Gref sogar ganz froh sein, wenn er nicht auf die Netzwerke des Vorgängers trifft.

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