Schadenersatzklage
NordLB will 150 Millionen von Lars Windhorst

Die Norddeutsche Landesbank hat die Firma von Lars Windhorst nach Informationen des Handelsblattes auf mehr als 150 Millionen Euro Schadenersatz verklagt. Ein Sprecher der Bank bestätigte auf Anfrage, man habe gegen einen Kunden Klage beim Landgericht Berlin eingereicht.

DÜSSELDORF. Die NordLB will den Kunden nicht nennen, es ist jedoch ein offenes Geheimnis, dass es sich um Vatas handelt - die Firma, die das einstige Wirtschaftswunderkind Lars Windhorst führt.

Nach Darstellung der NordLB hat der Kunde, also Vatas, bei der Landesbank Aktien im Wert von 234 Mio. Euro bestellt, sie dann aber nicht abgenommen. Dies sieht die Gegenseite anders. Windhorst hat sich nie zu dem Vorfall geäußert. Aus seinem Umfeld heißt es jedoch, Windhorst habe seit langer Zeit mit der NordLB gut kooperiert, die Bank hätte sich nach einer Weile blind auf ihn verlassen und Geschäfte auch auf Zuruf gemacht. Beide Seiten hätten hiervon massiv profitiert. Die Zusammenarbeit sei erst dann kritisiert worden als die betreffenden Aktienpakete zusammen mit dem Markt einbrachen.

Ein Vatas-Sprecher sagte, man sei von der Klage der NordLB sehr überrascht und habe erst durch die Medien davon erfahren. Man könne sich nicht dazu äußern, weil die Klage selbst noch nicht vorliege. Der Sprecher zeigte sich jedoch zuversichtlich, im Zweifelsfall vor Gericht zu siegen, weil die Anschuldigungen der NordLB unberechtigt seien.

Konkret geht es um Aktien des Handyausrüsters Balda, des Altersheimbetreibers Curanum und des Netzwerkanbieters Euromicron. Außerdem war die NordLB auch Großaktionär von RemoteMDx, einer Firma in Utah, die elektronische Fußfesseln herstellt. Diese Aktien hat die NordLB im August mit 50 Mio. Euro Verlust an den deutschen Unternehmer Wilfried Kill verkauft, einen der Geschäftspartner von Windhorst.

Die NordLB hat für die Aktienpakete bisher Wertberichtigungen von 132 Mio. Euro vorgenommen. Seit dem letzten Stichtag allerdings sind die Pakete je nach Aktie um weitere 25 bis 75 Prozent eingebrochen, so dass der Schaden jenseits von 150 Mio. Euro liegt. Der zuständige Vorstand Jürgen Kösters musste gehen.

Sönke Iwersen
Sönke Iwersen
Handelsblatt / Leiter Investigative Recherche
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