Schaefflers umstrittener Rechtsberater
Koerfer zieht sich aus Conti-Aufsichtsrat zurück

Vor einer Woche erst musste er sich im Conti-Aufsichtsrat der gebündelten Kritik seiner Mitkontrolleure erwehren. Jetzt zog der umstrittene Schaeffler-Berater Rolf Koerfer daraus die Konsequenzen und kündigte an, seinen Sitz im Kontrollgremium des Hannoveraner Autozulieferers aufzugeben.
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HAMBURG. Damit wolle er dazu beitragen, dass die Diskussion in dem Kontrollgremium "sich wieder auf Sachfragen statt auf interne Personalfragen" konzentrieren könne, erklärte Schaefflers Rechtsberater.

Seine Doppelrolle als Vertrauter von Contis Großaktionär Schaeffler, dessen Mandat ihm Millionen Euro eingebracht hat, und Aufseher von Continental ist seit Koerfers Berufung in das Gremium umstritten. Das Landgericht Hannover hatte seine erste Wahl wegen eines Interessenkonflikts für nichtig erklärt.

Gegen die erneute Wahl in den Aufsichtsrat mit der Mehrheit des Schaeffler-Lagers im April hatte Corporate-Governance-Experte Christian Strenger erneut juristische Schritte eingeleitet.

Gemeinsam mit Schaefflers Geschäftsführer Jürgen Geißinger gilt Koerfer als Architekt der feindlichen Übernahme des vielfach größeren Konkurrenten Continental. Die Finanzkrise und handwerkliche Fehler hätten das Familienunternehmen Schaeffler in Turbulenzen gestürzt. Als Chefaufseher von Conti musste Koerfer im Oktober 2009 zurücktreten, nachdem er mit der Ablösung des früheren Conti-Chefs Karl-Thomas Neumann die Arbeitnehmerbank und die Banken verärgert hatte.

Im Anschluss blieb er aber nicht nur im Aufsichtsrat, sondern auch im Präsidium des Gremiums. Koerfers anfängliches Störfeuer gegen die von Conti dringend benötige Kapitalerhöhung Anfang des Jahres erregte den Unmut der Aufsichtsratsmehrheit, auch wenn Koerfer schließlich zustimmte. Auch eine am vergangenen Mittwoch im Aufsichtsrat vorgestellte Studie, die auf einer Befragung unter den Kontrolleuren beruhte, förderte massive Kritik an Koerfer zutage.

Koerfer, Partner der Kölner Kanzlei Oppenhoff und passionierter Jäger, gilt als enger Vertrauter von Unternehmenserbe Georg Schaeffler. Der Jurist wird die Familie auch weiter beraten. So muss er die durch die Conti-Übernahme ausgelöste Steuerschuld des Juniors in den USA aus der Welt schaffen.

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