Schallende Ohrfeige für Deutschlands bekannteste Modeschöpferin
Haussegen bei Jil Sander hängt schief

Jil Sander war nicht zu sprechen. Die sonst nicht öffentlichkeitsscheue Modeschöpferin wollte sich am Donnerstag zu der Entscheidung des italienischen Großaktionärs Prada nicht äußern.

HAMBURG. Der hatte überraschend den ehemaligen Gucci-Manager Gian Giacomo Ferraris zum Vorstandsvorsitzenden der Jil Sander AG für Anfang Juni berufen.

Auch der Prada-Boss und scheidende Jil-Sander-Vorstandschef Patrizio Bertelli hielt sich bedeckt. Er schickte auf Anfrage lediglich eine dürre Mitteilung: „Herr Bertelli und die Prada-Gruppe haben sich für einen sehr starken Vorstandsvorsitzenden entschieden, der über größte Erfahrungen in der Modebranche verfügt und sich exklusiv auf die Jil Sander AG fokussieren wird“, heißt es.

Die knappen Worte sind eine schallende Ohrfeige für Deutschlands bekannteste Modeschöpferin. Sie nähren neue Spekulationen, dass der Haussegen bei dem renommierten Hamburger Modehaus schief hängt und Jil Sander – zum zweiten Mal – das Unternehmen verlassen könnte.

Der Grund: Die einstigen Blütenträume des Prada-Chefs sind nicht aufgegangen. So hatte er die „Queen of Less“ 2003 als Chefdesignerin zurückgeholt, um das defizitäre Unternehmen auf Kurs zu bringen. Im Gegenzug sollte sie möglicherweise sogar die Mehrheit wieder zurückerwerben. Doch die inzwischen 60-Jährige scheiterte an der Aufgabe. Der Konzern rutschte 2003 noch tiefer in die Verlustzone. Das Mailänder Modehaus musste deshalb der Hamburger Tochtergesellschaft mit mehr als 30 Millionen Euro unter die Arme greifen.

Nun hat der Prada-Chef die Notbremse gezogen. Er setzt der schüchtern wirkenden Frau mit ihrem goldgelb gelockten Haar einen bislang in der breiten Öffentlichkeit unbekannten Manager vor die Nase. Damit erreicht der jahrelange Streit zwischen dem bullig wirkenden Prada- Chef und der drahtigen Jil Sander einen neuen Höhepunkt. Bereits 1999 hatte Bertelli sie als Vorstandschefin abgesetzt. Zu häufig hatten sie sich um Qualität, Stoffe und Preisgestaltung gestritten.

Fraglich ist, ob sich Jil Sander Bertellis neuen Querschlag gefallen lässt oder ob sie den Posten als Chefdesignerin aufgibt. Als Geschäftspartnerin jedenfalls will der Prada-Chef die Modeschöpferin nicht akzeptieren. Er ließ verlauten: Frau Sander „plant auch gegenwärtig nicht, Anteile zu übernehmen“.

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