Scheepbouwer bleibt bis Mitte 2009 an Konzernspitze
KPN-Chef geht in die Verlängerung

Er hätte es leichter haben können, viel leichter. Wenn Ad Scheepbouwer vor etwa eineinhalb Jahren seinen Job an der Spitze des niederländischen Telekomkonzerns KPN aufgegeben hätte – wie in der Branche gemutmaßt –, wäre er als der große Sanierer gefeiert worden, der erfolgreiche Retter in der Not. Es hätte nur Lobeshymnen auf den Mann gegeben, der das einst marode, hoch verschuldete Unternehmen auf Vordermann brachte.

DÜSSELDORF. Doch Scheepbouwer macht es sich nicht leicht. Er ist geblieben, hat sich inzwischen einiges an Kritik und eine Niederlage bei einem missglückten Übernahmeversuch eingehandelt. Und – er wird sogar noch länger bleiben: Bis Juli 2009 hat der 61-Jährige seinen Vertrag verlängert, wie KPN gestern mitteilte. „Er will nicht nur als Schuldenminimierer in die KPN-Geschichte eingehen, sondern auch als einer, der dem Konzern eine überzeugende Zukunftsstrategie verpasst hat“, heißt es in Unternehmenskreisen. Der nüchterne, bodenständige Zahlenmann will also beweisen, dass er auch eine kreative Ader hat.

Scheepbouwer hat sich viel Zeit gelassen, bis er sich dazu durchrang. Zu lange wandte er ein bewährtes Rezept an: Er verbesserte die Zahlen des Konzerns. Mehr hatte er nicht zu bieten. Eine Vision? Strategische Ziele für die nächsten Jahre? Fehlanzeige.

Erst Anfang dieses Jahres skizzierte Scheepbouwer die Grundzüge einer Zukunftsstrategie. Einer der wesentlichen Punkte: Internet, Telefon und Fernsehen sollten miteinander verschmelzen. Der Kunde soll künftig alle Dienste aus einer Hand und über ein Kabel erhalten.

Zukäufe stehen nach Angaben aus Konzernkreisen ebenfalls oben auf Scheepbouwers Liste. Im Februar 2004 ist ein Versuch, die britische MMO2 zu kaufen, fehlgeschlagen. „Aber das Problem, dass KPN im deutschen Mobilfunkmarkt die kritische Masse fehlt, besteht weiterhin“, sagt ein Konzernmanager, „und Scheepbouwer will es lösen.“ Wahrscheinlich gemeinsam mit Stan Miller, dem Chef des belgischen KPN-Mobilfunkablegers. Seit Mai ist Miller auch für E-Plus, die deutsche Tochter, zuständig. Es gebe nur wenige, denen Scheepbouwer vertraue, heißt es bei KPN. Miller sei einer davon.

Der niederländische Telekombetreiber muss weiter wachsen, sonst droht KPN selbst zu einem Übernahmeziel zu werden. Das zu verhindern, ist daher wohl jetzt das oberste Ziel des KPN-Chefs, bevor er sich in den Ruhestand verabschiedet und seine bemerkenswerte Karriere beendet.

Scheepbouwer hat als einer der wenigen Konzernchefs des Landes nie studiert. Im Alter von 16 Jahren heuerte er als Barkeeper auf einem Schiff an und bereiste die Welt. Er wechselte später in die Transportbranche und bildete sich in Abendkursen weiter.

Herausgekommen ist eher ein Manager der alten Schule – einer, der noch in Hierarchien denkt, sich vorzugsweise in der Chefetage bewegt und ungern vor großen Menschengruppen auftritt. Langweilig ist daher ein Attribut, das Menschen in Unternehmen und in der Branche ihm häufig anhängen. Bisher kann KPN damit aber ganz gut leben.

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