Schefenacker-Chef Beutel
Londoner Lösung

400 Millionen Euro Schulden drücken beim Autozulieferer Schefenacker jährlich mit 40 Millionen Euro Zinsen auf die Bilanz. Jetzt startet der Ex-Bosch-Manager und neue Vorstandschef Reiner Beutel einen unkonventionellen Rettungsversuch.

HB STUTTGART. Verklärt wirkt der Patriarch und melancholisch. So als hätte Alfred Schefenacker senior, dessen Porträt aus dem Jahr 1987 im etwas angejahrten Foyer des Schwaikheimer Autozulieferers Schefenacker hängt, damals geahnt, dass sein Erbe einmal in seiner Existenz bedroht sein würde.

Sein Sohn Alfred Schefenacker junior hat den Umsatz mit der fremdfinanzierten Übernahme des Konkurrenten Britax vor fünf Jahren auf über 900 Millionen Euro verdoppelt: Es entstand der Weltmarktführer bei Autospiegeln. Doch die strategisch richtige Entscheidung überforderte das Familienunternehmen völlig, Alfred junior zog sich entnervt in den Aufsichtsrat zurück, familienfremde Manager agierten danach glücklos.

Reiner Beutel hat das Himmelfahrtskommando übernommen. Wenn der 47-Jährige mit Kurzhaarschnitt besteht, ist er der Held – aber er kann auch im Handumdrehen sang- und klanglos scheitern. Seit einem Jahr ist er Finanzchef. Vor sechs Wochen stieg er zum Vorstandschef auf.

Karatekämpfer in zähen Verhandlungen

Der dynamische Hobby-Karatekämpfer versucht bei der Rettung Neuland zu betreten: Das Unternehmen soll den juristischen Sitz nach Großbritannien verlegen. Außerdem hat die Sanierung nur mit einer Umschuldung überhaupt eine Chance. 400 Millionen Euro Schulden drücken mit 40 Millionen Euro Zinsen jährlich auf die Bilanz. Und es kommt nach den gestern veröffentlichten – aber nicht testierten – Zahlen noch schlimmer. Allein im dritten Quartal fuhr das Unternehmen einen Nettoverlust von 32 Millionen Euro ein. In neun Monaten summiert sich das Defizit auf 56 Millionen. Und: Schefenacker hat die Kreditvereinbarungen nicht eingehalten.

Der forsche Beutel hat alle Hände voll zu tun, die Gläubiger zu besänftigen. Mit den Hedge-Fonds, die 200 Millionen Euro Schulden von den Banken übernahmen, hat er ein Stillhalteabkommen erreicht – bis zum Monatsende. Er ringt in London um einen weiteren Aufschub. Auch die Warenversicherungen, Lieferanten und Kunden lassen ihn bislang nicht hängen. Stimmen in nächster Zeit auch die Gläubiger einer nachrangigen Anleihe dem Umzug des rechtlichen Sitzes zu, wäre das der erste Durchbruch. In Großbritannien bräuchte er dann von denselben Gläubigern nur 75 Prozent von einem Tausch der Schulden in Eigenkapital überzeugen und nicht jeden einzelnen wie in Deutschland. Doch die Verhandlungen laufen zäh.

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