Schimmelmann-Nachfolger
Klein wird Postbank-Chef

Nach acht Jahren an der Spitze der Postbank verlässt Wulf von Schimmelmann vorzeitig seinen Posten und gibt das Amt an Marketingvorstand Wolfgang Klein ab. Klein tritt kein leichtes Erbe an. Vor allem für eins muss er zunächst sorgen.

FRANKFURT. Von den gut 15 Millionen Kunden der „größten Privatkundenbank Deutschlands“ gelten viele als „Karteileichen“ aus Zeiten, in denen das Institut noch ein Staatsbetrieb war. Über das berühmte blaue Postsparbuch und seine Nachfolger - wegen der kostenlosen Geldbeschaffung im Ausland ein Muss für jeden Interrail-Fan – sind viele Kunden nie hinaus gekommen, argwöhnen Analysten.

Es scheint also nur konsequent, nach dem Abgang des „Schöpfers“ der Postbank in ihrer aktuellen Form, Wulf von Schimmelmann, einen Produkt- und Marketingspezialisten an die Spitze der Bank zu holen. Klein sitzt seit 2002 im Vorstand der Postbank und begann seine Laufbahn 1991 – wie Schimmelmann 20 Jahre zuvor – bei der Unternehmensberatung McKinsey. Danach war er im Privatkundengeschäft bei der Dresdner Bank und als Geschäftsführendes Mitglied im Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV) tätig. Der gebürtige Bottroper ist verheiratet und hat einen Sohn.

Schimmelmann macht Platz für Klein, nachdem er die Postbank in rund acht Jahren von einem Staatsbetrieb an die Börse und in den Deutschen Aktienindex (Dax) geführt hat. Selbst Kritiker sehen darin eine Erfolgsgeschichte, schon allein abzulesen an der Verdoppelung des Aktienwertes seit dem Börsengang im Juni 2004.

Auch beim letzten großen Coup Schimmelmanns, dem Kauf der Bausparkasse BHW, war Klein mit von der Partie. Er verantwortete die Integration der 1,8 Mrd. Euro teuren Akquisition, die die Bank auf eine breitere Basis stellen sollte. Die 4 200 mobilen Berater der Hamelner Bausparkasse sollten in den 850 eigenen-, aber auch in den über 8 000 Filialen der Konzernmutter Deutsche Post Produkte an die Kunden bringen. Wenig später begab sich die Postbank auf die Suche nach 1 000 neuen, zusätzlichen Finanzberatern, was in der Branche als Zeichen dafür gedeutet wurde, dass die BHW-Verkäufer weniger erfolgreich gearbeitet haben als erhofft.

Solche Probleme hätten viele Kollegen Kleins und Schimmelmanns in den großen Bankentürmen Frankfurts vermutlich gerne. Denn keiner von ihnen verfügt über ein so großes Filialnetz und über einen so umfangreichen und direkt angebundenen mobilen Vertrieb. Keine Bank ist mit Finanzinnovationen für die breite Masse wie dem „Dax-Sparbuch“ in der Öffentlichkeit so präsent wie die Postbank. Und: Die Bonner haben, was die Commerzbank gerade erst mit großem Marketingaufwand einführt oder testet: ein kostenloses Girokonto und geöffnete Filialen am Samstag.

Dafür steht man bei der Postbank nicht selten in einer zugigen Eingangshalle in der Schlange – keine Atmosphäre, in der man gerne einen Ratenkredit oder eine Baufinanzierung aushandelt. Das ist sicher einer der Gründe, warum Postsparbuchinhaber bisher nur dieses eine Produkt besitzen. Möglicherweise liegt für Klein hier der wichtigste Ansatzpunkt, das riesige Kundenpotenzial besser auszunutzen. Allerdings würde dies hohe Investitionen verlangen. Neben neuen Büromöbeln muss ein besseres Image her.

Bei der Ertragslage der Bank hat Klein größere Probleme wie die Wettbewerber. Wegen des Einlagenüberhangs der Bank und der flachen Zinskurve hat sie es weitaus schwerer als die Konkurrenz, ein vernünftiges Zinsergebnis zu erzielen. Da gleichzeitig der scharfe Wettbewerb hohe Zinszahlungen nötig macht, schmilzt die Marge dahin. Auch hier ist der Produktspezialist Klein gefragt: Die Konditionen müssen besser verkauft werden, als sie tatsächlich sind, will die Bank verdienen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%