Schldenmanager
Banker im Bundesdienst

Nur zehn Autominuten von der Frankfurter City entfernt residiert die „Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH“. Dafür zu sorgen, dass der Bund immer flüssig bleibt, ist der Job der dort ansässigen Schuldenmanager.

FRANKFURT. Durch die Glaskuppel fällt ein fahler Lichtstrahl auf eine überdimensionale Grünpflanze, aus dem Hintergrund ist das leise Plätschern einer Wassersäule zu hören. Eine Oase der Ruhe. Nur zehn Autominuten von der Frankfurter City entfernt residiert die „Bundesrepublik Deutschland Finanzagentur GmbH“. In den Büros und auf den Fluren der eher bescheiden ausgestatteten Räumlichkeiten dominieren gedämpfte Töne und ein gemäßigter Gang – Gelassenheit statt aufbrausender Betriebsamkeit.

Dabei sind die rund 100 Mitarbeiter der Finanzagentur für Summen zuständig, deren Höhe kaum noch vorstellbar ist: für die Schulden des Bundes von inzwischen gut 900 Milliarden Euro. Deutschland sei längst pleite, wettern immer wieder die Politiker. Und der Bund der Steuerzahler warnt stetig vor der ausufernden Staatsverschuldung. Das alles beunruhigt Gerhard Schleif, den für das operative Geschäft zuständigen Geschäftsführer der Finanzagentur, nur wenig. „Der Bund genießt die höchste Bonität, bekommt Kredite zu günstigen Konditionen und hat keinerlei Probleme mit der Liquidität“, sagt der 59-Jährige gelassen. Denn dafür zu sorgen, dass der Bund immer flüssig bleibt, ist der Job der Schuldenmanager.

230 Milliarden Euro wird die Finanzagentur im Namen des Bundes in diesem Jahr an den Anleihe- und Geldmärkten aufnehmen, so viel wie nie zuvor. Zu diesem Zweck versteigert sie regelmäßig sechsmonatige Geldmarktpapiere und Anleihen mit einer Laufzeit von zwei, fünf, zehn und 30 Jahren über je fünf bis neun Milliarden Euro. Zu Terminen, die grob schon ein Jahr im Voraus und konkret dann ein Quartal zuvor festgelegt werden.

Zu den Auktionen sind derzeit nur 40 Banken der so genannten Bietergruppe Bundesemissionen zugelassen. Um zu dieser Gruppe zu gehören, müssen sie jährlich mindestens 0,05 Prozent der neuen Bundesschuld ersteigern. Die Banken bieten für die Wertpapiere vor allem im Auftrag für andere Investoren wie Fonds, Versicherer und Zentralbanken. Wenn der Bund eine Anleihe begibt, können die Banken in dem vollautomatischen Bietungsverfahren für eine Stunde lang angeben, zu welchem Preis sie welches Volumen ersteigern wollen. Und dabei kommt dann doch etwas Hektik auf: „Die meisten Gebote kommen erst in den letzten fünf Minuten“, sagt Schleif und bekennt, dass es da dann doch eine „gewisse Anspannung“ gebe.

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