Schlecker-Prozess Anton Schlecker erhält Bewährung, Kinder müssen ins Gefängnis

Überraschendes Urteil in Stuttgart: Ex-Drogeriekönig Anton Schlecker erhält wegen vorsätzlichen Bankrotts eine zweijährige Bewährungsstrafe. Seine Kinder Lars und Meike müssen dagegen ins Gefängnis.
Update: 27.11.2017 - 14:58 Uhr 19 Kommentare
Schlecker: Anton Schlecker zu Bewährungsstrafe verurteilt Quelle: dpa
Schlecker-Prozess

Anton Schlecker (Mitte) mit seinen Kindern Meike und Lars.

(Foto: dpa)

StuttgartDer ehemalige Drogerieunternehmer Anton Schlecker muss nicht ins Gefängnis. Das Landgericht Stuttgart verurteilte den 73-Jährigen am Montag wegen vorsätzlichen Bankrotts zu einer zweijährigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 54.000 Euro. Als das Urteil fällt, ist ein merkliches Raunen von den Zuschauerplätzen zu hören, wo ehemalige Beschäftigte des Drogeriekonzerns den Abschluss des Prozesses verfolgen.

Härter trifft es seine Kinder: Lars (46) und Meike (44) schickte das Gericht um den Vorsitzenden Richter Roderich Martis dagegen ins Gefängnis. Lars Schlecker erhielt eine Haftstrafe von zwei Jahren und neun Monaten, seine Schwester Meike von zwei Jahren und acht Monaten. Hier ist Beifall von den Zuschauern zu hören. Lars nimmt das Urteil äußerlich regungslos hin, Meike schaut zunächst ängstlich zu ihrem Anwalt. Immer tiefer sinkt sie in ihren Stuhl – und schüttelt immer wieder kaum merklich den Kopf.

Den Schlecker-Kindern hatte die Tochterfirma LDG gehört, über die Schlecker die gesamte Logistik der Drogeriefilialen abwickelte. Das Gericht sah in ihrem Fall nicht nur den Vorwurf des Bankrotts als erwiesen an, sondern darüber hinaus Beihilfe zum Bankrott, Insolvenzverschleppung und Untreue. „Wer Geld zur Seite geschafft hat, der will es auch nicht mehr zurückzahlen,“ erklärt Richter Martis in der Urteilsbegründung. Darauf reagieren beide Schlecker-Kinder nur mit ungläubigem Kopfschütteln.

„Er wusste, dass die Firma am Ende war“
Anton Schlecker
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„Willst du den sicheren Ruin eines Unternehmens, gib ihm 30 Jahre Erfolg.“ (Aus: Die Zeit, 17.11.2005)

Erwin Müller (Schlecker-Konkurrent)
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„Schlecker ist ein so großer Elefant, dem kann keiner wehtun.“ (Aus: Focus, 23.11.2009)

Meike Schlecker
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„Es ist kein signifikantes Vermögen mehr da, das dem Unternehmen hätte helfen können.“ (bei ihrer Pressekonferenz am 30.1.2012 auf die Frage nach dem Privatvermögen der Familie Schlecker, Badische Zeitung, badische-zeitung.de)

Anton Schlecker
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„Wir brauchen keinen Strategieberater.“ (Aus: Manager Magazin, im Januar 2010)

Ursula von der Leyen
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„Die Kreditanstalt für Wiederaufbau beim Bund würde einen Kredit geben, wenn die Länder für diesen bürgen. Ich hoffe, dass jetzt alle Bundesländer Ihren Teil zur Lösung beisteuern, denn die Schlecker Filialen gibt es in allen Bundesländern und die von Entlassung bedrohten Mitarbeiterinnen brauchen eine neue Perspektive.“ (Aus: Welt, 24.03.2012)

Steffen Seibert
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„Es gibt Gründe für eine Transfergesellschaft, und es gibt sehr gute Gründe dagegen. Diese Entscheidung oblag aber nicht der Bundesregierung, sondern sie oblag den Ländern.“ Erklärte der Regierungssprecher nach der Ablehnung einer Transfergesellschaft für die Schleckermitarbeiter aufgrund der Gegenstimmen der FDP. (Aus: FAZ, faz.net, 30.03.2012)

Philipp Rösler (Bundeswirtschaftsminister von 2011 bis 2013)
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„Jetzt gilt es für die Beschäftigten – vornehmlich Frauen, einzelne Mütter und ältere Frauen – schnellstmöglich eine Anschlussverwendung selber zu finden.“ (Aus: Handelsblatt, handelsblatt.com, März 2012)

Anton Schlecker darf die Geldstrafe – 360 Tagessätze zu je 150 Euro – in Raten von 4500 Euro im Monat zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Haft für Schlecker gefordert, mehr als für seine Kinder. Sie sah es als erwiesen an, dass er als Eigner der gleichnamigen Drogeriekette in den Monaten vor der Pleite Vermögen in Millionenhöhe zugunsten seiner Familie beiseite geschafft hatte – Geld, das den Gläubigern am Ende fehlte.

In dem Prozess ging es im Kern darum, wann Schlecker die drohende Pleite kommen sah. Von diesem Zeitpunkt an hätte er dem Unternehmen kein Geld mehr entziehen dürfen. „Er wusste, dass die Firma am Ende war – und hoffte dennoch weiter“, sagte Richter Martis. Die einst größte deutsche Drogeriekette hatte im Januar 2012 nach jahrelangen Verlusten Insolvenz angemeldet.

Anton Schleckers Verteidiger Norbert Scharf hatte in seinem Plädoyer von einem „minderschweren, ungewöhnlichen Fall“ des Bankrotts gesprochen. Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz plädierte kurz vor dem Ende des acht Monate dauernden Prozesses für ein mildes Urteil: „Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich einige Transaktionen als kritisch ansehe“, sagte er dem Handelsblatt. „Aber eine Inhaftierung hielte ich für sehr hart.“

Sofern das Urteil Bestand hat, wäre die strafrechtliche Aufarbeitung damit wohl abgeschlossen. Der Schlussstrich unter dem Fall Schlecker wäre es aber nicht. Die Schlecker-Kinder hatten bereits rund 14 Millionen Euro an Insolvenzverwalter Geiwitz zurücküberwiesen. Doch noch immer stehen Milliardenforderungen Tausender Gläubiger im Raum. Weil ehemalige Lieferanten sich bei Preisen abgesprochen haben sollen, reichte der Insolvenzverwalter mehrere Kartellklagen ein. Im Erfolgsfall könnte Geiwitz noch mehr als 300 Millionen Euro für die Gläubiger eintreiben.

„War Schlecker für Sie ein Jackpot?“

„War Schlecker für Sie ein Jackpot?“

Auch für die Familie ist das rechtliche Nachspiel noch nicht überwunden. In Österreich gibt es noch eine Zivilklage gegen die Familie. Hintergrund ist die Pleite der österreichischen Drogeriekette Dayli. Die ehemalige Schlecker-Tochter hatte nach dem Aus des deutschen Mutterkonzerns die Märkte in Österreich in Eigenregie weitergeführt. Der dortige Insolvenzverwalter wirft der Familie vor, von 2008 bis 2011 illegal Gelder der österreichischen Tochter zur Muttergesellschaft nach Deutschland abgezweigt zu haben.

Im sächsischen Zwickau läuft bereits ein Verfahren, wie das dortige Landgericht der „Wirtschaftswoche“ bestätigte. Der Insolvenzverwalter eines früheren Schlecker-Personaldienstleisters verlangt ebenfalls Geld zurück.

Schlecker hatte vor Gericht betont, er habe bis zuletzt an das Überleben der Firma geglaubt. Dabei schrieb diese schon seit 2004 Verluste, nur in einem Jahr standen danach noch schwarze Zahlen zu Buche. Anfang 2011 hatte Schlecker gerade noch sieben Millionen Euro liquide Mittel – und keine Chance mehr auf neue Kredite, erklärte Richter Martis. Ein Sanierungsplan, den die Beratungsfirma Wieselhuber & Partner aufgesetzt hatte, floppte, weil das Geld fehlte. Scharf hatte argumentiert, Schlecker habe die tiefe Krise aufgrund seiner langjährigen Erfolge und seiner Persönlichkeit nicht wahrhaben wollen. „Das schlägt einen vielleicht in dem Moment mit Blindheit.“

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19 Kommentare zu "Schlecker-Prozess: Anton Schlecker erhält Bewährung, Kinder müssen ins Gefängnis"

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  • Der von der SPD eingesetzte Troll ist wieder da!
    Geistreicher ist er mittlerweile nicht geworden.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Als Pleitier kann ich den Urteil nur zustimmen, möchte aber darauf hinweisen, daß die Unschuldigen für kleinere Beträge einsitzen. Dieser Rechtsstaat hat ein Prob.em mit der Division.
    Also ein paar Millionen weg 2Jahre
    Ein paar hundert tausend weg ?
    Ein paar ....tausend ?
    Ein ALG2 Empfänger...... eigentlich nur ein paar Minuten ? Oder wie geht das ?

  • @Herr Herbert Maier:
    Leider ist es im Ausland auch nicht immer besser: So geht es in Spanien bei arbeitsrechtlichen Verfahren immer automatisch ins Privatvermögen des GF. Dies gilt auch bei nicht verschuldeten Konkursen. Die beschränkte Haftung der "sociedad limitada" ist dann nur Makulatur.
    Für meinen Teil habe ich schon seit vielen Jahren keine Angestellte mehr, stelle allenfalls auf Zeit ein und den Rest machen Freelancer auf Rechnung.

    In Deutschland gilt ganz einfach: Wer mehr Geld als "seine Hoheit" der Herr Richter oder Staatsanwalt verdient, der muss ein schlimmer Kapitalist sein, der seine Angestellten ausbeutet. Dem muss man die Flügel stutzen. Wenn man dann noch weiss, wie hinter den Kulissen zwischen Staatsanwaltschaft und Gericht "geklüngelt" wird, dann kann man nur das bestätigen, was der Kommentator Peter Gramm kommentierte: "Der Rechtsstaat steht bei uns auf dem Papier. In der Realität sucht man ihn vergebens."

  • <<..... aber anscheinend steht man leicht mit einem Bein im Knast, wenn man in der deutschen Privatwirtschaft Verantwortung übernimmt.>>

    Ganz so leicht nun auch wieder nicht. Aber wenn man in sieben von acht Jahren Verluste schreibt und dann unmittelbar vor der Insolvenz Gelder beiseite schafft (trotz Schulden in Milliardenhöhe) dann sollte man auch eigentlich im Knast landen.

    Aber so ist es hier nicht ausgegangen, stattdessen wandern die Kinder in den Knast. Wurde mittlerweile die Sippenhaft wieder eingeführt?

  • Das Urteil hat sicher einen generalpräventiven Effekt auch derart, dass viele Unternehmer, oder solche, die sich überlegen das zu werden, es lieber bleiben lassen oder ins Ausland gehen. Ich weiß jetzt nicht, was hier im einzelnen gelaufen ist, aber anscheinend steht man leicht mit einem Bein im Knast, wenn man in der deutschen Privatwirtschaft Verantwortung übernimmt.

  • es macht einen großen Unterschied ob Wirtschaftskriminalität von Privatleuten oder von Staatsdienern begangen wird. Ich weiss wovon ich rede. Wenn man einen buddy im Ministerium sitzen hat sind die Tore sperrangelweit offen. Über den kurzen Dienstweg bekommt man Informationen die einem Normalbürger verwehrt bleiben. Ein weiteres Pre ist die Weisungsgebundenheit der Staatsanwälte. Insbesondere bei politisch motivierten Straftaten ein bestens geeignetes Mittel zur Strafverolgungsverhinderung. Der Rechtsstaat steht bei uns auf dem Papier. In der Realität sucht man ihn vergebens. Vielleicht im Bereich der Straßenverkehrsordnung. Für die Bekämpfung von Wirtschaftslriminalität völlig ungeeigent.

  • STAATLICHE KONKURSVERSCHLEPPUNG ist daher auch bewusst kein Straftatsbestand:
    http://forum.finanzen.net/forum/Staatsbankrott_und_Konkursverschleppung-t250965?page=0
    Manchmal in der Geschichte fällten die (bankrotten) Bürger dann aber doch selber die Urteile gegen die Regierungen...

  • Obwohl dieser Fall nun wirklich gar nichts mit den zugewanderten Asylanten zu tun hat, können auch hier einige Deutsche nicht anders, als über eben jene zu hetzen...

  • Wer aus dem Ausland diese Urteile sieht, versteht wie sich die deutsche Justiz unter Applaus von Bezugsempfängern an Unternehmern abarbeitet - hier Middlehof und Schlecker - während vielfach zugewanderte Kriminelle offenbar keine wesentliche Beeinträchtgung ihrer Lebensqualität und Aufenthaltsdauer befürchten müssen.

    Der Richter ist ein Beamter auf Lebenszeit. „Das schlägt einen vielleicht in dem Moment mit Blindheit.“ Das er durch die geplante Inhaftierung der Kinder den Vater wesentlich mehr trifft, ist ihm natürlich klar. Die Rückzahlungen wurden dabei nur als Schuldeingeständnis gewertet!

    Merke: Bei Unternehmern und Steuerhinterziehern sind deutsche Richter(innen) knallhart, bei Totschlägern war es auch schon mal die schlimme Kindheit mit Bewährung.

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