Schlussplädoyer im Prozess um Enron-Pleite
„Enron-Chefs haben gelogen und betrogen“

Die Ankläger im Prozess um die spektakuläre Pleite des US-Energiehändlers Enron haben ihr Schlussplädoyer gehalten. Sie werfen den früheren Chefs Kenneth Lay und Jeffrey Skilling vor, die Öffentlichkeit getäuscht und sich Millionen Dollar in die eigene Tasche gesteckt zu haben.

HB HOUSTON. Staatsanwältin Kathryn Ruemmler prangerte die beiden Angeklagten als arrogante Manager an, die sich nicht an Regeln und Gesetze gebunden fühlten. "Es kann keinen Zweifel daran geben, dass es bei Enron eine Verschwörung gab, um die Öffentlichkeit in die Irre zu führen, und dass diese beiden Männer an deren Spitze standen", sagte Ruemmler am Montag an die zwölf Geschworenen gerichtet. Bei Schuldsprüchen drohen dem 64-jährigen Lay und dem 52-jährigen Skilling jahrzehntelange Haftstrafen. Am Dienstag sollte die Verteidigung ihr Plädoyer in einem der bedeutendsten US-Wirtschaftsprozesse halten.

Während des fast vierstündigen Plädoyers verfolgten Lay und Skilling die Worte der Anklägerin aufmerksam, ohne aber eine Regung zu zeigen. Als Führungskräfte hätten die beiden jederzeit die Wahl gehabt, die Wahrheit zu sagen, erklärte Ruemmler. Doch sie hätten sich dagegen entschieden. "Machen Sie sie verantwortlich für ihre Entscheidungen, die sie getroffen haben, und ihre Lügen, die sie erzählt haben." Die Staatsanwältin griff dabei auch die Verteidigungslinie an, wonach Enron als gesundes Unternehmen von einer einseitigen Berichterstattung der Medien und von räuberischen Investoren zerstört worden sei. "Das ist Unsinn. Es ist absurd. Es ist lächerlich. Kaufen Sie ihnen das nicht ab", sagte sie.

Die Anklage wirft Skilling im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch von Enron in 28 Punkten Verschwörung, Betrug und Insider-Handel vor. Lay muss sich in sechs Punkten wegen Verschwörung und Betrug verantworten. In einem getrennten Verfahren ist der langjährige Firmenboss ab Donnerstag in vier Punkten wegen illegaler Börsengeschäfte in Houston angeklagt.

In dem Hauptverfahren werden sich die Schlussplädoyers nach 15-wöchigen Zeugenvernehmungen wohl bis Mittwoch hinziehen. Dann dürften die Geschworenen ihre Beratungen aufnehmen. Die Jury muss einstimmig entscheiden, ob die beiden ehemaligen Führungskräfte von den kriminellen Machenschaften bei Enron wussten und sich daran beteiligten. Lay und Skilling beteuerten in dem Verfahren wiederholt ihre Unschuld und machten vor allem den geständigen Ex-Finanzchef Andrew Fastow für Bilanzierungstricks und Gewinnmanipulationen verantwortlich. Fastow trat in dem Prozess als Hauptzeuge der Anklage auf und belastete seine ehemaligen Chefs dabei schwer.

Nach dem Bankrott des einst siebtgrößten US-Konzerns Ende 2001 verloren mehr als 4000 Beschäftigte ihren Arbeitsplatz. Enron-Aktien stürzten von einstmals mehr als 80 Dollar bis auf wenige Cent ab. Mrd. von Dollar in den Pensionskassen der Mitarbeiter gingen verloren.

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