Schmiergeldaffäre
Ex-Siemens-Chefs wehren sich

In der Siemens-Schmiergeldaffäre setzt sich die alte Führung gegen die Vorwürfe von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme zur Wehr. Heinrich von Pierer und sein Nachfolger Klaus Kleinfeld wiesen den Vorwurf der Uneinsichtigkeit zurück. Nach wie vor ist offen, ob Siemens Anklage gegen den Ex-Vorstand erhebt.

MÜNCHEN. „Fundiertes Bestreiten“ dürfe nicht als Uneinsichtigkeit bezeichnet werden, sagte Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer dem Handelsblatt. Angesichts der Kritik an der alten Führung in den vergangenen Monaten habe er Siemens auf „Missverständnisse, Unrichtigkeiten und Lücken im Sachverhalt“ hingewiesen. Auch Pierers Nachfolger als Siemens-Vorstandsvorsitzender, der heutige Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld, wies Crommes Kritik zurück.

Cromme hatte gesagt, er hätte sich „sehr viel mehr Offenheit“ von Kleinfeld und Pierer gewünscht. Er und der Aufsichtsrat seien „überzeugt, dass der frühere Vorstand sich Fehlverhalten zuschulden hat kommen lassen, für das wir ihn zivilrechtlich belangen müssen“, sagte Cromme dem „Spiegel“. Wenn sich Pierer weiterhin uneinsichtig zeige, müsse der Konzern klagen.

Darauf hin meldete sich Pierer seit langem wieder persönlich zu Wort. Er habe „offen und umfangreich“ in mehreren Sitzungen die Fragen der Anwälte von Debevoise & Plimpton beantwortet, betonte er. Diese seien im Übrigen vor zwei Jahren noch unter seiner Führung des Aufsichtsrats mit der Aufklärung beauftragt worden. Pierer wies zudem darauf hin, dass Siemens 2007 laut Medienberichten in einem Arbeitsgerichts-Prozess den Vorwurf zurückgenommen habe, dass der Prüfungsausschuss des Aufsichtsrats vom damaligen Compliance-Beauftragten nicht umfassend und zeitnah über Schmiergeldverdacht informiert worden sei.

Kleinfelds Anwalt schrieb an Cromme, man habe dessen Äußerungen mit Unverständnis zur Kenntnis genommen. Von den US-Behörden seien keinerlei „spezifische Beschuldigungen“ gegen Kleinfeld erhoben worden. In einer Anklageschrift hatte die Börsenaufsicht SEC kritisiert, dass Kleinfeld nicht noch früher und entschiedener auf Schmiergeldvorwürfe reagierte. In einem Schreiben, das dem Handelsblatt vorliegt, kritisiert Kleinfelds Anwalt zudem, dass die Äußerungen Crommes den Absprachen zwischen den Anwälten beider Seiten widersprächen.

Siemens hatte sich in der vergangenen Woche mit den Behörden in den USA und Deutschland auf ein Ende der Ermittlungen wegen der Schmiergeldaffäre geeinigt. Dabei zahlt der Konzern 800 Mio. Dollar an SEC und US-Justizministerium. In Deutschland sind noch einmal 395 Mio. Euro fällig. Einen kleinen Teil der Belastungen will Siemens von der ehemaligen Konzernführung erstattet bekommen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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