Schmuddelfirma baute Drohszenarien auf
Rote Karte für Russen-Inkasso

Inkasso-Unternehmen, die säumige Schuldner auf Schritt und Tritt verfolgen und damit psychisch stark unter Druck setzen, machen sich wegen versuchter Nötigung und Bedrohung strafbar.

GARMISCH. Das hat das Amtsgericht (AG) Celle im Fall eines fragwürdigen Schuldeneintreibers entschieden, der mit einem ganzen Einsatzteam die Nachbarschaft über den Schuldner ausfragte und ihn so nach Einschätzung des Gerichts "zum Objekt öffentlicher Zurschaustellung" machte (Az.: 16 C 1309/05).

Da die Geldeintreiber zudem keine entsprechende Erlaubnis zum Inkasso nach dem Rechtsberatungsgesetz nachweisen konnten, erließ das AG Celle eine einstweilige Verfügung gegen den Gläubiger der Forderung und Auftraggeber der Geldeintreiber.

Dessen Inhalt: Der Gläubiger muss die weitere Beauftragung des Inkassounternehmens einstellen. Er habe sich nämlich selbst ordnungswidrig verhalten, weil er illegale Geldeintreiber beauftragt habe, die dazu keine Erlaubnis besaßen und von vornherein den Eindruck erweckten, als würden sie das staatliche Gewaltmonopol außer Acht lassen.

Die Schmuddelfirma hatte auf ihren Internetseiten folgende Selbsteinschätzung von sich preisgegeben: "Wir sind kein herkömmliches, normales, zugelassenes Inkassounternehmen! Und wollen es auch nicht sein!"

Was das konkret bedeutete, bekam der betroffene Schuldner schnell zu spüren. Zunächst statteten drei dunkel gekleidete Gestalten und ein Fernsehteam seinen Nachbarn einen Hausbesuch ab und fragten diese über den Schuldner aus.

Wenig später flatterte dann ein Schreiben der Geldeintreiber ein, in welchem der Schuldner um Auskunft hinsichtlich der Forderung gebeten wurde. In dem Schreiben waren zudem verschiedene Drohszenarien einschließlich des Besuchs eines "Einsatzteams" enthalten, die zwar allesamt nicht angekreuzt waren, von denen der jeweilige Leser aber annehmen musste, dass diese unmittelbar bevorstanden, soweit er nicht zahlte.

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