Schneeballsystem
Neue Vorwürfe gegen Stanford

Die US-Kapitalmarktaufsicht SEC hat ihre Untersuchungen gegen Robert Allen Stanford ausgeweitet. Sie prüft jetzt, ob der texanische Hochstapler auch ein Schneeballsystem betrieben, und so mit neuen Kundengeldern Altanleger ausbezahlt hat. Bisher gibt es gegen Stanford nur ein zivilrechtliches Verfahren – sehr zur Empörung seiner Investoren.

NEW YORK. Bisher wird Stanford primär vorgeworfen, Investoren mit falschen Angaben getäuscht zu haben. Rund acht Mrd. Dollar sollen in schwer verkäufliche Anlagen wie Grundbesitz und Firmenbeteiligungen statt in liquide Vermögensformen geflossen sein.

Dem 58-Jährigen hätte möglicherweise viel früher das Handwerk gelegt werden können: Bereits 2006 ermittelte die SEC gegen ihn. Die Nachforschungen wurden aber eingestellt, und zwar auf Druck einer anderen Behörde, wie die New York Times berichtet. Welche das war, wird geheim gehalten. Die SEC griff die Untersuchung erst wieder auf, nachdem in New York der 50-Milliarden-Betrüger Bernard Madoff aufgeflogen war.

Dessen Schneeballsystem lief offenbar mindestens 13 Jahre lang, wie der Treuhandverwalter der insolventen Firma mitteilte. In diesem Zeitraum seien keine Kundengelder angelegt worden. Sollte sich dieser Befund erhärten, könnten die Madoff-Opfer mit je 500 000 Dollar Schadenersatz aus einem Einlagensicherungsfonds rechnen.

Wenn Stanford wie Madoff ein Schneeballsystem betrieben hat, muss er mit einem strafrechtlichen Verfahren rechnen. Bisher gibt es gegen ihn nur eine zivilrechtliche Anklage. Deshalb ist er zur Empörung seiner Investoren nach wie vor auf freiem Fuß. FBI-Agenten entdeckten ihn mit einer Freundin in Fredericksburg (Virginia), einer Kleinstadt südwestlich von Wa-shington. Sein Aufenthalt war zuvor tagelang unbekannt. Als Zeichen dafür, dass er nicht unterzutauchen gedenkt, will Stanford nun freiwillig seinen Pass abgeben.

Der Texaner gründete 1986 eine erste Bank auf der Karibikinsel Montserrat und wechselte später nach Antigua. Er verkaufte ungewöhnlich hoch verzinste Einlagenzertifikate und zog damit insbesondere Kunden aus Lateinamerika an, denen eine Geldanlage in der Heimat zu unsicher erschien.

Seit Mitte der 90er Jahre geriet Stanford immer wieder ins Visier der US-amerikanischen Behörden, etwa wegen Beihilfe zur Geldwäsche und zur Unterkapitalisierung, kam aber mit Geldstrafen davon. Betrugshinweise von früheren Angestellten blieben ohne Konsequenzen.

Die Stanford International Bank in Antigua und das Hauptquartier der Stanford Group in Houston (Texas) stehen inzwischen unter Aufsicht der Behörden. Firmen- sowie Kundenkonten wurden eingefroren. Der vom Gericht bestellte Zwangsverwalter Ralph Janvey hat sämtliche Neuverkäufe von Einlagenzertifikaten untersagt.

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