Schnell ist der 61-Jährige – und bestimmt
Alles ist Geschäft

Heute legt Bertelsmann-Chef Gunter Thielen die Bilanz vor – Porträt eines Zahlen-Menschen.

GÜTERSLOH/PARIS. Der Tag beginnt in einer Sackgasse. Die Wiesen und Bäume des Wasserschutzgebiets hinter seinem Haus liegen noch im milchigen Grau eines Märzmorgens, als Gunter Thielen durch den knöchelhohen Schnee zu der S-Klasse stapft, die ihn heute in eine andere Welt bringen wird.

Es ist 6.50 Uhr, acht Zylinder säuseln durch die Vororte Güterslohs, bevor sie leise fauchend auf der Autobahn Richtung Paderborn beschleunigen. Hinten rechts sitzt der Bertelsmann-Chef in weißem Hemd und roter Krawatte: ein mittelgroßer, gedrungener Mann. Dass er kleine grüne Augen und einen gewaltigen Knick in der roten Nase hat, kann man auf jedem Foto sehen. Was die Bilder nicht zeigen, ist die Aggressivität und Unerschütterlichkeit, die Gunter Thielen ausstrahlt.

Er antwortet nicht unfreundlich, aber knapp. So wie Reinhard Mohn, der Hauptanteilseigner von Bertelsmann, es mag. Jetzt, während der Flughafen von Paderborn in Sicht kommt, sagt Thielen: „Manche Leute spielen Schach, ich entwickle lieber Firmen.“ Mohn hat einmal gesagt: „Der eine trinkt gerne ein Bier. Der andere liegt gern in der Sonne. Ich denke gerne.“ Klingt ähnlich. Will Thielen seinem Arbeitgeber gefallen, dem bedeutendsten noch lebenden deutschen Unternehmer? Oder ist er einfach genau der richtige Chef für Bertelsmann?

Niemand hatte Thielen auf der Rechnung, als sein Vorgänger Thomas Middelhoff im Sommer 2002 gehen musste. Und dann hielt ihn jeder für einen Übergangskandidaten. Jetzt hat Thielen gerade seinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender des größten europäischen Medienkonzerns bis 2007 verlängert. Dann wird er 65 sein, was deshalb bemerkenswert ist, weil bisher jeder Vorstandschef bei Bertelsmann mit 60 gehen musste; sogar an sich selbst statuierte Reinhard Mohn dieses Exempel von Führungskultur. Woran also liegt es, dass Gunter Thielen so fest im Sattel sitzt? Weil er so gut ist? Oder weil er, wie ein lang gedienter Top-Manager des Haus sagt, „die Moral eines Strebers hat“, ein „kalter Taktiker“ ist?

Heute wird Thielen in Berlin ordentliche Zahlen vorlegen und damit einen Teil der Antwort geben: niedrigere Schulden, steigende Rendite – bei leicht fallendem Umsatz. Anderen Medienkonzernen geht es schlechter. Aber Bertelsmann hat auch schon einmal mehr geglänzt.

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