Schon die amerikanische Revolution nutzte Netzwerke
Der lange Ritt nach Lexington

Schon während der amerikanischen Revolution war es wichtig und notwendig, sich auf Netzwerke verlassen zu können.

DÜSSELDORF. Wir schreiben das Jahr 1775. Es ist der 18. April, nachmittags. Ein kleiner Junge arbeitet in einem Stall der britischen Armee in Boston. Durch Zufall hört er, wie ein Soldat der englischen Krone dem anderen etwas zuraunt: „Morgen bricht die Hölle los.“ Der Stalljunge setzt sich sofort in Bewegung, rennt mit der Nachricht zum Haus des Paul Revere. Der Silberschmied hört dem Jungen aufmerksam zu. Revere kommt zu dem Schluss, dass die Briten einen Überfall auf Lexington im Norden von Boston planen. Dort werden sie die Kolonieführer einsperren und dann weiter nach Concord ziehen, um die Waffen- und Munitionslager des lokalen Militärs zu kapern.

Am späten Abend entscheiden sich Revere und sein Revolutionskumpan William Dawes, die Gemeinden rund um Boston zu warnen. Revere springt auf sein Pferd und macht sich auf nach Lexington. In zwei Stunden legt er 13 Meilen zurück, klopft unterwegs in jedem Ort an die Türen der Kolonialherren und veranlasst sie, die Nachricht vom bevorstehenden Angriff zu verbreiten. Sie geht um wie ein Lauffeuer: Reiter werden losgeschickt, Trommeln geschlagen, Kirchenglocken geläutet. Bis in die frühen Morgenstunden fügt sich Glied an Glied in der Informationskette – bis nach Worchester.

Als die Briten am Morgen des 19. April vormarschieren, werden sie zu ihrer Verblüffung erwartet – von organisiertem und grimmigem Widerstand. In Concord erleiden sie eine vernichtende Niederlage und von dieser Schlacht erhält der Krieg seinen Namen: Die amerikanische Revolution.

Was Paul Revere schaffte, gelang William Dawes nicht. Er legte genauso viele Meilen in der gleichen Zeit zurück. Doch es gelang ihm nicht, die lokalen Militärs zu alarmieren. So wurden die Dörfer, durch die er ritt, von den Briten überrascht und geschlagen.

Woran also liegt es, dass manche Botschaften sich in Windeseile verbreiten und andere nicht?

Es spricht viel dafür, dass für die Verbreitung eines „sozialen Lauffeuers“ bestimmte Fähigkeiten nötig sind. Paul Revere war ein „Verbinder“. Er war gesellig und sozial, er war Fischer und Jäger, Kartenspieler und Theater-Liebhaber, Pub-Besucher und Geschäftsmann – immer mitten im Geschehen. Als nach der Boston Tea Party 1773 der Ärger der amerikanischen Kolonisten gegen die Briten hochkochte, war Paul Revere ein inoffizielles Clearing-House der anti-britischen Kräfte. Routinemäßig ritt er nach Philadelphia, New York, New Hampshire und überbrachte Nachrichten. So wusste er auch am entscheidenden 18. April 1775 genau, auf welche Multiplikatoren er sich verlassen konnte.

Das Buch dazu: Malcolm Gladwell, Paul Rever’s Ride, Little, Brown & Co, New York 2000.

Das Fazit von Bolko von Oetinger, Senior Vice President der Boston Consulting Group

„Netzförmige Organisation – ein Traum, der sich nicht erfüllt hat. Aber es gibt ein Netz, und machtvolle Informationen fließen darin, um Veränderungen durchzusetzen. Sie stammen von wenigen angesehenen Führungskräften. Unternehmer sollten überlegen, wer in ihrem Haus das Netz für große Dinge aktivieren kann.“

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