Schon von den ersten Lebensjahren an steht er im Rampenlicht
Der Ferien-Macher

Als Chef des Club Med emanzipiert sich Henri Giscard d’Estaing von seinem berühmten Vater. Nach nur 18 Monaten als Club-Med-Chef hat er dem maroden Pauschalreisenanbieter eine neue Zukunft gegeben.

PARIS. Cooler geht es kaum. Im offenen rosa Hemd und beiger Freizeithose empfängt Henri Giscard d’Estaing am 14. Juni seine Gäste im Ferienclub „La Palmeraie“ bei Marrakesch, um seine Manager-Meisterprüfung abzulegen. Mit knapp 30 Prozent steigt Accor, der weltgrößte Hotelkonzern, beim Club Méditerranée ein, gibt er an diesem Morgen bekannt. Nach nur 18 Monaten als Club-Med-Chef hat Giscard d’Estaing dem maroden Pauschalreisenanbieter eine neue Zukunft gegeben. „Wir sind das neue ‚Dreamteam’ der Tourismusbranche“, schwärmt auch Accor-Boss Jean-Marc Espalioux, der sich per Video zugeschaltet hat.

Der 14. Juni 2004 könnte der Tag gewesen sein, an dem Henri Giscard d’Estaing aus dem Schatten heraustrat, der ihn 47 Lebensjahre lang ins Halbdunkel drängte. Sein Vater Valéry brachte es erst zum Parteichef, dann zum Finanzminister, und schließlich zum jüngsten Präsidenten Frankreichs aller Zeiten. So was prägt den Nachwuchs.

Von den ersten Lebensjahren an steht Henri als ältester Giscard-Sohn im Licht der Öffentlichkeit. Er trägt es mit Humor: „Als ich auf der Uni war, haben mich die Gazetten regelmäßig mit Caroline von Monaco verheiratet“, erzählt er.

Dabei hat „HGE“, wie er in Frankreich abgekürzt betitelt wird, nur äußerlich viel mit dem Vater gemein: die große, schlanke, aufrechte Erscheinung, das lang gezogene Gesicht. Und auch die geschliffene Rede hat er vom Vater geerbt. Doch während Valéry als undurchsichtig und humorlos gilt – sein Spitzname lautet „Die Sphinx“ – ist Henri leutselig und unkompliziert. Beim Club Med duzen alle den Chef, der nicht selten mit der Metro zur Arbeit kommt. Zum Tag der Arbeit am 1. Mai schickte er allen Mitarbeitern einen Strauß Maiglöckchen.

Wenig blumig geht es beim Club Med zu, als Giscard Ende 2002 zum Chef aufsteigt. Die Tourismuskrise hat das Unternehmen ins tiefste Loch seiner 54-jährigen Geschichte gestürzt. Der Nettoverlust beträgt 100 Millionen Euro, der Umsatz ist von zwei auf 1,6 Milliarden Euro, der Aktienkurs von 160 auf 20 Euro gefallen. Kein Wunder, dass der Club-Med-Großaktionär, die italienische Fiat-Familie Agnelli, Druck macht.

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