Schraubenkönig Reinhold Würth
Dynamischer Pensionär aus dem Ländle

Schraubenkönig Reinhold Würth ist auch in hohem Alter noch auf Achse. Der erfolgreiche Unternehmer kommt nicht zur Ruhe, obwohl jetzt seine Tochter Bettina das Unternehmen führt. Schließlich ist Würth längst noch nicht am Ziel.

DÜSSELDORF. Wer mit Reinhold Würth "Mein Haus, mein Auto, mein Boot" spielt, kann gar nicht schnell genug wieder einpacken. Würth wohnt nicht, er residiert vielmehr in einem ehemals fürstlichen Schloss. Seine Kunstsammlung umfasst 9 000 Werke, darunter klangvolle Namen wie Picasso, Munch, Monet. Das Magazin Forbes schätzt sein Privatvermögen auf 7,5 Mrd. US-Dollar - Platz sieben auf der Liste der reichsten Deutschen. Kein Wunder, dass der Schrauben-Unternehmer Würth den Titel "Schraubenkönig" trägt.

Die Geschäfte laufen gut: Die mehr als 360 Gesellschaften der Würth-Gruppe, die mit Schrauben, Dübeln und Beschlägen handeln, haben im vergangenen Jahr in 82 Ländern 6,9 Mrd. Euro umgesetzt. Dieses Jahr sollen es 7,5 Mrd. werden, das Unternehmen glänzt seit Jahren mit zweistelligem Umsatzwachstum. Der Gewinn soll dieses Jahr auf über 500 Mill. Euro klettern. Würths Erfolgsrezept: Dezentralisieren, fähiges Führungspersonal einstellen, effizient kontrollieren.

1954 übernahm Reinhold Würth nach dem frühen Tod seines Vaters mit 19 Jahren die Geschäftsleitung in der elterlichen Schraubengroßhandlung in Künzelsau bei Heilbronn, unweit von Würths Geburtsort Öhringen. Aus dem Zwei-Mann-Betrieb baute Würth in den folgenden Jahr-zehnten einen weltweit tätigen Han-delskonzern. Heute beschäftigt sein Unternehmen mehr als 52 000 Mitar-beiter, davon 28 000 im Außendienst. Der "Chef", wie ihn seine Mitarbeiter nennen, ist das Verkaufen nie leid geworden. "Auch als Ruheständler interessieren mich die Trends beim Kunden. Deshalb begleite ich noch heute hin und wieder Mitarbeiter im Außendienst", sagt er.

Würths Erfolg beeindruckte auch die Wissenschaft. Die Universität Karlsruhe berief den Praktiker zum Professor, ein Novum in der deutschen Hochschullandschaft. Von 1999 bis 2003 war Würth dort Leiter des neu gegründeten Interfakultativen Instituts für Entrepreneurship. Seinen Studenten empfahl er viel Praxis: "Nach meiner Erfahrung ist ein Tag im Außendienst hundertmal wertvoller als eine ganze Woche an gescheiten Kolloquien, Symposien und Konferenzen teilzunehmen. Der Kontakt mit Kunden bringt eine Unmenge an Ideen und Kreativität."

Einen direkten Umgang wollte Würth stets auch mit seinen Mitarbeitern pflegen: "Berechenbarkeit, Geradlinigkeit, Vertrauen, Bescheidenheit, Demut und der Respekt vor der Leistung der Mitarbeiter sorgen auch heute für einen strategischen Wettbewerbsvorsprung. Viele Betriebe vergessen, dass die Wirtschaft von Menschen betrieben wird, und nicht von Computern", urteilt er. Seine These: "Computerei" soviel wie nötig, nicht soviel wie möglich.

Würth hat sich 1994 aus dem operativen Geschäft zurückgezogen, dieses Frühjahr hat er den Vorsitz im Unternehmensbeirat an seine Tochter Bettina übergeben. Den Rückzug aus dem Unternehmen vollzieht Würth schrittweise. "Für mich ist es sehr schön zu beobachten, wie sich die Würth-Gruppe mental immer weiter von mir entfernt. Dies gibt mir Sicherheit, ein bestelltes Haus zu hinterlas-sen." Die Tür ist freilich noch nicht ganz geschlossen, Würth bleibt Vorsitzender des Stiftungsaufsichtsrates der Familienstiftungen. Der bestimmt die strategischen Zukunftsentwicklungen der Würth-Gruppe. "Ich sehe meine Aufgabe vergleichbar mit dem Hauptaktionär einer Aktiengesellschaft", erklärt Würth.

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