Management
Schraubenkönig Reinhold Würth wird 70

Er hat eine kleine schwäbische Schraubenhandlung im Hohenlohischen Künzelsau zum Weltmarktführer gemacht. Reinhold Würth wird am 20. April 70 Jahre alt. Schon mit 14 Jahren trat er beim Vater in die Lehre ein. Gerade mal zwei Mitarbeiter, Vater und Mutter, hatte die Schraubenhandlung.

dpa KüNZELSAU. Er hat eine kleine schwäbische Schraubenhandlung im Hohenlohischen Künzelsau zum Weltmarktführer gemacht. Reinhold Würth wird am 20. April 70 Jahre alt. Schon mit 14 Jahren trat er beim Vater in die Lehre ein. Gerade mal zwei Mitarbeiter, Vater und Mutter, hatte die Schraubenhandlung.

Den Leiterwagen mit den Schrauben zogen Vater Adolf und Sohn Reinhold zu den Kunden. Der Ernst des Lebens holte ihn früh ein. Nach dem Tod des Vaters übernimmt er 1954 im Alter von gerade 19 Jahren die Geschäftsleitung. Heute ist Würth ein weltweit tätiger Handelskonzern in 80 Ländern, macht einen Umsatz von 6,2 Mrd. Euro und beschäftigt weltweit mehr als 47 000 Mitarbeiter.

Grund genug zu feiern: Mit viel Prominenz, aber vor allem seinen Mitarbeitern feiert Würth nicht nur seinen 70. Geburtstag, sondern gleichzeitig auch das 60-jährige Firmenjubiläum. Der schwäbische Vorzeigeunternehmer gehört heute zu den reichsten Männern Europas. Das Magazin Forbes schätzt sein Vermögen auf 4,4 Mrd. Dollar. Der Erfolg der Würth-Gruppe hat viele Geheimnisse. Triebkraft ist sicherlich Würth selbst, der um die Befindlichkeiten und Bedürfnisse der Märkte sehr genau Bescheid weiß.

Würth verinnerlicht seinen Mitarbeitern, dass sie in erster Linie „nicht beim Unternehmen, sondern ideologisch beim Kunden angestellt sind“. Das Erfolgsrezept des heute 70-jährigen basiert sicherlich auf dessen Menschenführung und der bei Würth praktizierten Führungskultur. „Ich bin überzeugt, dass Menschenführung zu mehr als 50 Prozent über Gewinn und Verlust entscheidet“, ist einer von Würths Kernsätzen.

Reinhold Würth ist nicht nur begeisterter Flieger, der seinen Jet selbst steuert, sondern auch einer der größten Kunstsammler in Europa. In seinen Depots lagern mehr als 8 000 Kunstwerke. Doch nicht nur der Chef und seine Freunde sollen sich daran erfreuen. Würth hat zwei Museen gebaut. Am Stammsitz der Würth-Gruppe in Künzelsau eröffnete er 1991 das Museum Moderner Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Zehn Jahre später eröffnete er die Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall. Er unterstützt zahlreiche Projekte, wie ein Hotel, in dem behinderte und nicht behinderte Menschen gemeinsam arbeiten.

Das Geschäftsmodell von Würth hat sich seit 1945 im Kern nicht grundlegend verändert. Würth verkauft längst nicht mehr nur Schrauben, sondern über 100 000 Produkte für Befestigungs- und Montagetechnik. Erfolgsrezept der Würth-Gruppe sind kleine schlagkräftige Verkaufseinheiten. Produziert wird nicht, sondern gehandelt wie am ersten Tag. Die Würth-Vertriebsorganisation mit weltweit über 26 000 Verkäufern betreut gut 2,5 Mill. Geschäftskunden von Argentinien bis nach Australien. In der Mehrzahl sind es Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen - von der Autowerkstatt bis zum Kunstschreiner.

Der Durchschnittswert eines Auftrags bei Würth ist deshalb relativ gering und liegt bei rund 200 Euro. Genau darin sieht Reinhold Würth einen entscheidenden Erfolgsfaktor: „Wir sind in der glücklichen Lage, nicht von Großkunden abhängig zu sein“ und „Wir kennen unsere Kunden persönlich und ganz genau“, meint Würth, der schon im Jahr 1987 das Unternehmen in fünf Familienstiftungen einbrachte, um den Fortbestand der Gruppe zu sichern. 1994 schied er aus der operativen Geschäftsleitung aus. Heute ist Würth, der ein Stück bundesdeutsche Wirtschaftswundergeschichte geschrieben hat, Vorsitzender des Beirats seiner Gruppe. Er ist Ehrendoktor und Ehrensenator der Universität Tübingen, Träger des Bundesverdienstkreuzes der 1. Klasse und Inhaber der Dieselmedaille in Gold.

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