"Schreibtischtäter"
Ein unauffälliger, erfolgreicher Asset-Manager

Michael Keppler ist ein Mann der Kontraste: Auf den ersten Blick wirkt der 55-Jährige trotz seiner hohen Stirn und der weißen Haartracht unsicher, als sei er wenig erfahren im Umgang mit Menschen.

FRANKFURT/M. Gespräche mit ihm kommen langsam in Gang, doch dann blitzt sein finanzwissenschaftlicher Sachverstand auf, um genauso überraschend trockenen humoristischen Einlagen Platz zu machen.

Widersprüchlich ist auch das Renommee des deutschen Asset-Managers. In der Öffentlichkeit ist Keppler kaum bekannt, dabei zählt er zu den erfolgreichsten und erfahrensten Managern seiner Zunft. Er berät mehr als ein Dutzend Investmentfonds, von denen viele in Deutschland angeboten werden. Häufig tummeln sich diese Produkte auf obersten Rängen in den gängigen Performance-Hitlisten. Es sind beispielsweise Produkte für Aktienbörsen der Schwellenländer von den Häusern State Street, Dexia oder Trinkaus. Das Dumme ist nur: Der Name Keppler bleibt immer unerwähnt.

Schon 1983 ging der damalige Commerzbanker nach New York. Dann überwarf er sich mit seinem Arbeitgeber und rief Keppler Asset Management ins Leben. Seine Stärken liegen in der Analytik: Keppler entlarvte allgemein akzeptierte Finanzmarkttheorien als fehlerhaft und stellte Nobelpreisträger bloß. Gerne kritisiert Keppler etwa die heute noch verwendete Standardabweichung als Risikomaß: Wenn eine Aktie jeden Monat stetig um zehn Prozent fällt, „dann ist diese Standardabweichung null und der Anleger kann sich damit trösten, dass sein Verlust vollkommen risikolos zustande kam – das ist absurd“.

Ohnehin macht Keppler einiges anders als die Konkurrenz. Der Deutsche verlässt sich auf seine Datenbank mit Firmenkennzahlen wie Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwert-Verhältnissen. Was ihm zu billig erscheint, das kauft er, zählt sich damit zu den Value-Investoren. Während andere Fondsmanager auf der Suche nach attraktiven Gesellschaften rund um die Welt jetten, sind Reisen nicht Kepplers Ding: „Mit unserer Fundamentalanalyse aus dem Computer sind wir so eine Art Schreibtischtäter“, sagt er.

Etwas mehr Unternehmungslust würde den Keppler-Fonds allerdings durchaus gut tun. Trotz der Erfolge seiner Produkte hat der Deutsche bisher gerade einmal eine Milliarde Dollar eingesammelt. Und das in einer Zeit, in der andere Fondsberater in frischen Anlegergeldern fast ersticken. Doch dieser Kontrast ließe sich durch mehr Marketing allerdings schnell auflösen – an guten Argumenten fehlt es Keppler nicht.

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