Schüler fuhr zu weit
Versicherer muss auch bei Umwegen zahlen

Schüler sind auf ihrem Nachhauseweg auch dann gesetzlich unfallversichert, wenn sie nicht die kürzeste Strecke wählen. Das hat das Bundessozialgericht am Dienstag in Kassel entschieden.

dpa KASSEL. Die Bundesrichter wiesen damit die Revision des beklagten Gemeindeversicherungsverbandes gegen ein Urteil des bayerischen Landesozialgerichts ab. Dieses hatte bereits im Juni 2006 entschieden, dass der Versicherer den Verkehrsunfall eines achtjährigen Grundschülers aus Memmingen als Arbeitsunfall werten muss, obwohl der Junge auf dem Heimweg einen Umweg gemacht hatte.

Man könne nicht voraussetzen, dass sich Schüler ebenso vernünftig verhielten wie Erwachsene, argumentierten die Richter. "Wenn der Gesetzgeber Unfallversicherungen für Kinder abschließt, weiß er, dass dort nicht alles rund läuft." Der Schüler habe sich zwar nicht mehr auf dem unmittelbaren Weg nach Hause befunden, er sei aber aus Gedankenlosigkeit mit dem Schulbus zu weit gefahren, ohne sein Ziel aus den Augen zu verlieren. Außerdem könne man bei einem Achtjährigen keine strikte "Handlungstendenz" voraussetzen, die immer auf den kürzesten Weg gerichtet sei (Akz: B2U29/06R).

Der Junge war nach Unterrichtsende mit dem Schulbus nach Hause gefahren. Er stieg nicht wie sonst in der Nähe der elterlichen Wohnung aus, sondern erst zwei Haltestellen weiter. Dadurch verlängerte sich sein Fußweg nach Hause um 350 Meter. Im Bus hatte sich der unter ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung) leidende Junge mit einer Mitschülerin unterhalten. Auf deren Aufforderung auszusteigen, reagierte er nicht. Auf dem verlängerten Nachhauseweg war der Achtjährige von einem Fahrzeug erfasst und schwer verletzt worden, als er die Straße überqueren wollte.

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