Schutz von Geheimnissen
Teile und traue

Handys, Internet und firmenübergreifende Kooperationen erfordern einen neuen Umgang mit Geschäftsgeheimnissen – und mehr Sensibilität. Doch Schlampigkeit, Sorglosigkeit und Unwissen sind nicht die einzigen Ausfalltore für Geheimnisse.
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DÜSSELDORF. Morgens um sieben in der ersten Klasse des vollbesetzten ICE nach Frankfurt: Der Unterhändler einer Düsseldorfer Großbank telefoniert mit seinem Chef. Sorgfältig geht er noch einmal die Strategie für die Verhandlung durch, die er zwei Stunden später in einem Nobelhotel am Main führen soll. Die Bank will mehrere Millionen Euro in einen Fonds investieren.

Am Verhandlungsort eingetroffen, merkt der Banker, dass kein Argument greift. Die Anwälte der Gegenseite hebeln jeden Schachzug aus. Erst nach dem Gespräch erklären sie, woher ihre erstaunliche Schlagfertigkeit rührt – sie hatten im Zug nur einen Meter vor dem Banker gesessen.

Unachtsamkeit im Umgang mit sensiblen Informationen rächt sich immer häufiger. Je häufiger Mitarbeiter unterwegs sind, je mehr Informationen elektronisch und akustisch fließen, je häufiger Unternehmen kooperieren, desto mehr wächst die Gefahr, dass Geheimnisse in falsche Hände fallen. Vor allem durch die zunehmende Vernetzung steigt das Risiko. Konkurrenten wie die TV-Hersteller Samsung und Sony bauen gemeinsame Fabriken. Andernorts gehen Teams von Zulieferern, Kunden oder Wettbewerbern ein und aus – was sie mitnehmen, sieht kaum jemand.

Mit verschärften Regeln zur Geheimhaltung lässt sich das Problem kaum lösen, sagen Fachleute. Insbesondere Kooperationen basieren in hohem Maße auf Vertrauen statt auf Kontrolle. Das Teilen von Geheimnissen erfüllt in Netzwerkorganisationen eine wichtige wirtschaftliche Funktion. "Geteiltes Wissen führt zu mehr Vertrauen und einer besseren Zusammenarbeit. Geheimhaltung führt hingegen zu Misstrauen und gefährdet langfristig die Partnerschaft", sagt Patrick Baumann, Experte für Wirtschaftskommunikation aus Berlin.

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Die Maxime "im Zweifel lieber schweigen" lässt sich nicht mehr eindeutig aufrechterhalten. "Wer will, dass seine Mitarbeiter mit diskretem Wissen selbstständig und treffsicher umgehen, muss ihnen auch sensible Daten anvertrauen und darf sie nicht an der kurzen Leine führen", sagt Baumann. "Mitarbeiter müssen üben können, sich zwischen Offenheit und Geheimhaltung zu entscheiden, denn dazu bedarf es einiger Routine, eines hohen Maßes an Selbststeuerung und Ausdrucksfähigkeit."

Um das zu fördern, müssen Manager zuerst genau definieren, welches Wissen für den Erhalt ihres Markenkerns unabdingbar ist. "In allen Bereichen sind wir bereit, mit Zulieferern zusammenzuarbeiten, aber nicht bei der Konstruktion und nicht bei den Motoren", sagt Martin Ertl, Leiter Innovationsimpulse bei BMW. Die wertvollsten Informationen bleiben für Außenstehende also tabu. In allen anderen Bereichen legen die Vertragspartner genau fest, was vertraulich zu behandeln ist. Mitunter vergessen Führungskräfte allerdings, ihre Truppe über solche Geheimhaltungsabkommen zu informieren. "Wenn es dann zum Schadensfall kommt, trifft das Management zumindest eine Mitschuld", sagt Hans-Christoph Schimmelpfennig, Arbeitsrechtler und Partner der Kanzlei Noerr Stiefenhofer Lutz in München.

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