Schwammig formuliertes Geständnis dürfte Webers Angebot im Deal mit der Staatsanwaltschaft sein
Der arme Molkerei-König

Zehn Jahre lang hat er sich vor diesem Untreueprozess gedrückt. Jetzt hat der frühere Südmilch-Chef Wolfgang Weber ein Geständnis abgelegt. Vor Gericht entwirft er dabei das Bild eines verarmten Mannes am Ende eines Berufslebens.

STUTTGART. Einen kurzen Moment zögert der hoch gewachsene Mann mit der noch immer stattlichen Figur und dem markanten kahlen Schädel. Doch den Journalisten will er in der Pause nicht einmal die Frage nach seinem persönlichen Befinden beantworten. „Das Gericht ist die richtige Adresse für mich“, sagt Wolfgang Weber nur. Vor dem Stuttgarter Landgericht legt der langjährige Vorstandsvorsitzende der Südmilch AG dann gleich zu Beginn seines Untreueprozesses ein Geständnis ab: „Der Anklagevorwurf ist prinzipiell begründet.“

Zehn Jahre lang hat Weber sich vor diesem Satz und diesem Prozess gedrückt. Im August 1993 flieht er Hals über Kopf nach Paraguay, noch ehe die Stuttgarter Staatsanwälte ihm den Haftbefehl präsentieren können. Auf bis heute ungeklärte Weise hat er bei einem Zwischenstopp in Frankreich Wind davon bekommen.

Erst zehn Jahre später, am 16. September dieses Jahres, kommt er freiwillig zurück. Der internationale Haftbefehl wird gegen eine Kaution von 100 000 Euro ausgesetzt. Schon bald machen Gerüchte die Runde, Weber komme mit einer Bewährungsstrafe davon. „Dazu sage ich nichts“, gibt sich Oberstaatsanwalt Martin Klose gestern wortkarg. Dass es ein kurzer Prozess wird, deuten die drei Verhandlungstage an.

Bei Weber geht es jetzt nur noch um den Vorwurf der Untreue. Die Südmilch, so stellt es Klose in der verlesenen Anklageschrift dar, hat sich von der Sachsenmilch ziemlich wertloses Molkereiwissen mit 19,4 Millionen Euro bezahlen lassen, um die marode Bilanz des Jahres 1991 aufzubessern. „Es handelte sich um allgemein zugängliches und bei der Sachsenmilch bereits vorhandenes Fachwissen“, erläutert Klose.

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