Schweiz
Urteil gegen Geldverwalter

Das Schweizer Bundesgericht hat das heimliche Einbehalten von Provisionen verboten. Die Folge: Die Margen in der Branche werden sinken.

ZÜRICH. Schweizer Vermögensverwalter haben ihren Kunden in den vergangenen Jahren Milliardenbeträge vorenthalten. Dies geht aus einem Urteil des Schweizer Bundesgerichts hervor, das bereits im März gefällt wurde. Doch nun machen immer mehr Kundenanfragen der Branche die Tragweite der richterlichen Entscheidung deutlich. Rechtsanwälte bereiten dem Vernehmen nach bereits Klagen vor. Das sorgt für Unsicherheit und beunruhigt auch diejenigen Banken, die mittlerweile Konsequenzen aus dem Urteil prüfen.

Die Richter hatten entschieden, dass Provisionen, Rabatte oder neudeutsch "Kickbacks", die Vermögensverwalter erhalten, wenn sie ein bestimmtes Finanzprodukt verkaufen, an die Kunden weitergegeben werden müssen. Ausnahmen von dieser Regel müssen in den Verträgen zwischen Vermögensverwaltern und ihren Kunden ausdrücklich geregelt sein.

Damit folgten die Richter der internationalen Rechtsprechung. Denn auch der deutsche Bundesgerichtshof hatte bereits im Jahr 2000 entschieden, dass "heimliche" Vereinbarungen zwischen Banken und Verwaltern eine "schwerwiegende Treuwidrigkeit hinter dem Rücken des Kunden" seien.

Dabei geht es um viel Geld: In der Schweiz verwalten etwa 2  600 freie Vermögensberater rund 320 Mrd. Euro, die überwiegend von einheimischen, deutschen, italienischen und österreichischen Kunden stammen. Die fraglichen Provisionen liegen nach Auskunft der Betroffenen bei rund 0,25 Prozent im Jahr. Im Urteil heißt es, dass mehr als 80 Prozent der Vermögensverwalter dieses Geld nicht erstattet haben. Das wären rund 640 Mill. Euro im Jahr. Die Verjährungsfrist für Rückforderungen beträgt in der Schweiz zehn Jahre. Demnach geht es im Extremfall um 6,4 Mrd. Euro.

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