Schweizer Elektronikkonzern
ABB wirbt GE-Manager als neuen Chef ab

Der Elektrotechnikkonzern ABB hat Joseph Hogan vom Konkurrenten General Electric abgeworben und zum neuen Konzernchef ernannt. Für die Schweizer dürfte das eine Weichenstellung bedeuten - die auch die Konkurrenz deutlich zu spüren bekommen dürfte.

HB ZÜRICH. Mit dem 51-jährigen Amerikaner an der Spitze dürfte ABB nach einer zehnjährigen Pause wieder auf den Akquisitionspfad zurückkehren.

Hogan leitet nach ABB-Angaben vom Donnerstag gegenwärtig die GE-Medizintechniksparte, deren Umsatz er innerhalb von acht Jahren auf 17 Mrd. Dollar mehr als verdoppelte. Dazu trugen auch die rund 50 von ihm verantworteten Zukäufe bei, darunter die 10,7 Mrd. Dollar teure Übernahme der britischen Amersham.

ABB selbst brachten die zahlreichen, schlecht integrierten Übernahmen der 90er-Jahre vorübergehend an den Rand des Zusammenbruchs. Diese schlechten Erfahrungen trugen dazu bei, dass der frühere CEO Fred Kindle zwar Hunderte von Übernahmen prüfte, letztlich aber keine vollzog. Kindle musste nach einem Streit mit dem neuen Verwaltungsratspräsident Hubertus von Grünberg schließlich im Februar seinen Sessel räumen. Bis heute wird darüber spekuliert, ob sich die beiden bezüglich des Akquisitionstempos uneinig waren oder einfach nicht miteinander konnten.

Interimistisch übernahm dann Finanzchef Michel Demare die Leitung des Siemens-Konkurrenten ABB. Dieser schaffte es auch unter die letzten vier Bewerber als neuer CEO, zog dann aber gegenüber Hogan den Kürzeren. Hogen verfüge als Spitzenmanager bereits über einen langen Leistungsausweis, sagte von Grünberg. Hogan kann als früherer Chef eines GE-Automationsbereichs auch Erfahrung in den von ABB bearbeiteten Branchen Energietechnik und Automation vorweisen.

"Der Verwaltungsrat hat sich für Hogan entschieden, um das Wachstum zu forcieren", sagte ZKB-Analyst Mark Diethelm. Angesichts der flüssigen Mitteln von fast sechs Mrd. Dollar dürften Zukäufe verstärkt zum Thema werden. "Hogan soll ABB nicht verwalten, sondern größer machen. Ich rechne damit, dass das Akquisitionstempo mit Hogan an der Spitze zunehmen wird", so der Analyst.

Hogan, der seinen Posten am 1. September antritt, wollte auf einer Telefonkonferenz auch größere Akquisitionen nicht ausschließen. Beflügelt von Übernahmespekulationen kletterten darauf die Aktien der französischen Schneider sieben Prozent. Mit einer Marktkapitalisierung von 25 Mrd. Dollar ist Schneider nach Ansicht von Analysten allerdings am Rande dessen, was sich ABB unter Einbringung aller Finanzierungsquellen leisten könnte.

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