Schweizer Großbanken
Villiger soll neuer UBS-Präsident werden

Weniger als eine Woche nach dem Wechsel an der Konzernspitze der Schweizer Großbank UBS hat die größte Bank des Landes auch eine Veränderung an der Spitze des Verwaltungsrates angekündigt. Der ehemalige Schweizer Finanzminister Kaspar Villiger soll nach Angaben vom Mittwoch am 15. April von den Aktionären anstelle von Peter Kurer zum neuen Präsident gewählt werden.

FRANKFURT. Der Villiger also. Mit 68 Jahren wird Kaspar Villiger der nächste Präsident der schwer angeschlagenen Schweizer Großbank UBS. Er löst demnächst den glücklosen Peter Kurer an der Spitze des Verwaltungsrats ab, dem es nicht gelang, die UBS aus einer Affäre um steuerhinterziehende US-Kunden herauszuhalten. Dem Villiger wird mehr diplomatisches Geschick zugetraut. „Sackschlau“, sei der, sagt einer, der ihn kennt, wobei man wissen muss, dass das Wörtchen „sack“ als Vorsilbe im Schweizerdeutschen gerne als eine Art Steigerungsform benutzt wird.

Der sackschlaue Herr Villiger sitzt also gestern in Zürich neben dem aschgrauen Herrn Kurer und präsentiert sich als dessen Nachfolger: kantiges Gesicht, große Ohren, schlohweißes Haar. Was hat er nicht schon alles in seinem Land so angestellt. Die Villiger-Dynastie stammt aus dem Kanton Luzern, wo sie eine noch heute gut gehende Zigarrenfabrik unterhält, in der Bruder Heinrich waltet und wirkt. Die „Villiger Stumpen“, ineinander verzwirbelte zigarilloähnliche Rauch-stängel, kennt jeder, der zwischen Genf und St. Gallen auf dem Bau schon einmal eine Raucherpause eingelegt hat. In Fahrrädern, in Zürich Velos genannt, haben die Villigers auch mal gemacht. Kaspar stieg später in die Politik ein und brachte es dort zum Finanzminister. In seine Ägide fiel der Skandal rund um das Nazigold und die Vermögen von Holocaust-Opfern bei Schweizer Banken. Der Druck jüdischer Organisationen aus den USA führte dazu, dass sich die Schweiz schließlich spät entschuldigte. Der das damals 1995 machte, war Kaspar Villiger. Jetzt soll er offenbar auch im Steuerstreit eine geschickte Hand beweisen.

Er habe sich, sagt er gestern, als die UBS in Zürich ihren Kandidaten, der noch von den Aktionären abgesegnet werden muss, vorstellt, er habe es sich lange überlegt, ob er den Posten übernehmen wolle. Denn dabei könne er das Wertvollste überhaupt verlieren. Was? „Meine Reputation“, sagt Villiger, und erntet im Publikum und auf dem Podium eine Schweigemillisekunde, die er nutzt, um den neben ihm sitzenden Kurer schief von der Seite anzuschauen. Erst im zweiten Anlauf habe er zugesagt – nach einem ausführlichen und „sehr ungeschminkten“ Gespräch mit Oswald Grübel, jenem ehemaligen Credit-Suisse-Manager, der vergangene Woche zum Konzernchef der UBS ernannt worden war. Grübel gilt als „Mann ohne Gefühle“ und damit als genau der richtige in seinem neuen Job. Villiger ist eher der gute Patron, der seinen Mitarbeitern stets ein offenes Ohr leiht. Das Paar könnte sich also ergänzen – oder grundsätzlich verkrachen. „Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch freue ich mich auf die neue Aufgabe“, sagt Villiger.

Mit umgerechnet rund 600 000 Euro will sich Villiger übrigens bei der vom Staat gestützten UBS begnügen. „Herr Villiger, wie lange bleiben sie?“, fragte ihn gestern einer. Oh, antwortete der künftige Präsident, das sei ja eine charmante Art, auf seinen Jahrgang hinzuweisen. Aber gut: „Nicht länger als fünf Jahre“, lautet seine Antwort.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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