Schweres Erbe des Post-Chefs
Ein wenig Glanz im langen Schatten

Dass Post-Chef Frank Appel ein schweres Erbe angetreten hat, ist inzwischen wohl unbestritten. Musste er bislang beinahe ausschließlich Negativ-Meldungen verkünden, konnte er nun in der Türkei mit der Eröffnung eines Umschlagzentrums glänzen. Wie sich der Post-Chef mit dem schweren Erbe seines Vorgängers abstrampelt – und dabei an Profil gewinnt.

ISTANBUL. Für Post-Chef Frank Appel war dies ein ganz besonderer Moment. "Das ist die erste Eröffnung einer Aktivität, die ich übernommen habe", sagte der Zwei-Meter-Mann strahlend, umrahmt von seinen deutlich kleineren türkischen DHL-Kollegen auf dem Flughafen Atatürk in Istanbul. Zwar handelte es sich "nur" um ein Vier-Millionen-Investment in ein neues Umschlagzentrum. Doch der Mann schien richtig erleichtert, musste er doch bislang Schließungen, Verkäufe und den Abbau Tausender Arbeitsplätze verkünden.

In der Türkei nun konnte Appel das erste Mal im langen Schatten seines Vorgängers Klaus Zumwinkel ein wenig glänzen. Der langjährige Post-Chef, der aus der Bundespost den weltweit operierenden Logistikkonzern Deutsche Post gemacht hat, war über eine private Steueraffäre gestolpert. Zwar fällt es Appel immer noch schwer, sich von seinem Vorgänger abzugrenzen, der für ihn so etwas wie ein Übervater ist, Mentor war und Berater bleibt. Doch Appel gewinnt zunehmend an Profil. Das zeigt sich in seinem deutlich offensiveren Auftreten und auch in Andeutungen: "Schließlich war ich es, der die Postbank verkauft hat", sagte er. Zumwinkel hatte jahrelang den Protest der Investoren ignoriert und an der Finanztochter festgehalten, die so gar nicht zum Kerngeschäft des Logistikkonzerns passt.

Dass Appel ein schweres Erbe angetreten hat, ist inzwischen wohl unbestritten. Mit der Postbank hat er die erste geerbte Baustelle im Konzern noch rechtzeitig vor der Finanzkrise abgearbeitet. Durch die Krise ist die nächste Aufgabe nicht leichter geworden, aus Zumwinkels zusammengekauftem Logistikunternehmen einen integrierten Konzern zu schmieden. Dies bezeichnet Appel als seine große Herausforderung in der Zukunft. Kaum schlagzeilenträchtig, aber dringend nötig, wie das Beispiel USA zeigt.

Nur durch harte Einschnitte, die Einstellung des inneramerikanischen Geschäfts mit Eilsendungen und den Abbau von 15 000 Arbeitsplätzen, konnte Appel das "Milliardengrab" USA-Express schließen. Eine gigantische Kostenentlastung, die dem gesamten Logistik-Netz der Post zugute kommt. Damit hat Appel mit dem wohl schwersten Erbe Zumwinkels gründlich aufgeräumt. Der hatte noch 2007 in Wilmington/Ohio, dem Sitz des nun vor der Schließung stehenden Hauptumschlagzentrums von DHL-Express, den "Turnaround" im US-Expressgeschäft verkündet. Die Fortsetzung ist bekannt. Die Post hat das US-Abenteuer 7,5 Mrd. Euro gekostet.

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