Schwerwiegende Erkrankung
Rewe-Chef Berninghaus tritt zurück

Nach nicht einmal einem halben Jahr hat der neue Rewe-Chef Ernst Dieter Berninghaus seine Ämter bei Deutschlands zweitgrößtem Handelskonzern niedergelegt. Der 39-jährige Manager sei wegen einer schwerwiegenden Erkrankung auf unbestimmte Zeit nicht mehr in der Lage, sein Amt als Vorstandssprecher weiter auszuüben, teilte die Genossenschaftsgruppe am Freitag in Köln mit.

HB KÖLN. Berninghaus hatte vor fünfeinhalb Monaten den 64-jährigen Hans Reischl abgelöst, der fast drei Jahrzehnte an der Rewe-Spitze stand. Das Ausscheiden von Berninghaus bedeute keinen Strategie- oder Kurswechsel, verlautete aus der Rewe-Zentrale weiter.

Mit Berninghaus verliert die Rewe nach Meinung von Branchenkennern einen „Supermann“. Er war als Hoffnungsträger angetreten, mit dem die Kölner Genossenschaftsgruppe einen radikalen Generationswechsel vollziehen wollte. Außerdem sollte die Macht bei der Rewe künftig auf mehreren Schultern ruhen. Das von Berninghaus forcierte Teammodell bleibt bestehen: Die Aufgaben des Vorstandssprechers seien auf die Vorstandsmitglieder Gerd Bruse (53), Josef Sanktjohanser (54) und Hans Schmitz (53) verteilt worden. Die Rewe sei nach dem Ausscheiden von Berninghaus nicht führungslos, äußerten auch Branchenkenner.

Der promovierte Diplom-Kaufmann hatte das Rewe-Spitzenamt mit der Ankündigung angetreten, die Gruppe transparenter zu machen, ohne die genossenschaftlichen Wurzeln zu kappen. „Es wird künftig keinen Ansatzpunkt mehr für den Vorwurf der Intransparenz geben“, betonte Berninghaus nach der wichtigen Jahrestagung der Rewe Anfang Juli. In der Eigentümerstruktur gebe es wieder eine klare Mehrheit für die selbstständigen Kaufleute und die Genossenschaften. Zudem werde das Zusammenspiel zwischen dem Vorstand und Aufsichtsrat verbessert.

„Wir müssen die Rewe nicht neu erfinden“, betonte Berninghaus bei seinem ersten großen Auftritt als Spitzenmann. Die Rewe konzentriere sich aber nun wieder stärker auf ihr Kerngeschäft Lebensmittelhandel. Die Paradedisziplin von Berninghaus ist die Auslandsexpansion. Der frühere METRO-Manager kümmerte sich nach seinem Wechsel zur Rewe vor fünf Jahren in der Unternehmensleitung um die Internationalisierung.

Die 1927 als Revisionsverband der Westkauf-Genossenschaften gegründete Rewe besteht auf der einen Seite aus mehr als 3000 selbstständigen Kaufleuten mit ihren Rewe-Märkten und auf der anderen Seite aus zahlreichen Filialketten wie Minimal, Penny, Toom und Promarkt. Außerdem ist die Rewe mit den Reiseveranstaltern um ITS und DERTOUR drittgrößte Touristikgruppe Deutschlands nach TUI und Thomas Cook. Am Ferienflieger LTU ist sie zu 40 % beteiligt. Lange Zeit verdiente Rewe auch mit Senderbeteiligungen im Fernsehgeschäft. Rewe war insbesondere an KirchMedia beteiligt, die 2002 Pleite ging.

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