„Schwierige Gemengelage“ bei Deutscher Börse
Hedge-Fonds drängen Viermetz zur Aufgabe

Die Aktionärsstruktur der Deutschen Börse sei durchaus eine "schwierige Gemengelage", hatte Kurt Viermetz im September 2005 gesagt - kurz bevor er Aufsichtsratschef des Frankfurter Dax-Konzerns wurde. Fast genau drei Jahre nach seinem Amtsantritt im Oktober 2005 gibt der 69-Jährige auf.

HB FRANKFURT. Rekordzahlen und erfolgreichen Übernahmen zum Trotz hatten die Hedge-Fonds TCI und Atticus Capital, die zusammen rund 20 Prozent der Anteile an der Deutschen Börse AG halten, seine Ablösung verlangt. Viermetz gilt als Gegner einer Zerschlagung des Konzerns - einer Maßnahme, von der sich die Großaktionäre mehr Profit versprechen.

Der einstige Wall-Street-Banker Viermetz hatte den Aufsichtsratsvorsitz von Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer übernommen. Auch Breuer und der damalige Börsenchef Werner Seifert waren auf Druck von TCI und Atticus ihre Ämter losgeworden. Viermetz hatte sich bei seinem Amtsantritt entschlossen gezeigt, den mächtigen Aktionären die Stirn zu bieten: "Die Einschätzung, dass diese Herren das alles von London aus steuern, ist falsch", sagte er 2005 an ihre Adresse. Wegen seiner jahrzehntelangen Erfahrung in der Finanzbranche galt Viermetz vielen als ideale Besetzung des obersten Börsenkontrolleurs.

Der gelernte Bankkaufmann hatte es zuvor bis zum Vizechef der US- Großbank JP Morgan gebracht. Seine Laufbahn führte den groß gewachsenen Herren mit dem strengen Scheitel dann von Paris, London und New York zurück nach Frankfurt und München - und endete dort wenig rühmlich. Von 1999 bis 2002 war Viermetz Vorsitzender des Aufsichtsrates der HypoVereinsbank (HVB) und später oberster Kontrolleur des von der HVB abgespaltenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE). Dieses Amt gab er vor anderthalb Wochen nach langem Drängen der Politik ebenfalls auf. Die HRE konnte nur dank eines Milliardenpakets von Staat und Finanzwirtschaft vor der Pleite gerettet werden; Vorstand und Aufsichtsrat wurden in diesem Zusammenhang schwere Versäumnisse vorgehalten.

Verheiratet war der Bayer seit 1966 mit einer Preußin, seine Frau starb Anfang 2007. Viermetz hat einen Sohn. Seiner Heimatstadt Augsburg fühlt er sich sehr verbunden, mit spätestens 70 Jahren wollte er sich aus der Finanzwelt zurückziehen. Am 27. April 2009 wird der Kunstmäzen und Liebhaber klassischer Musik 70. Wenige Tage später hätte er regulär aus dem Aufsichtsrat der Deutschen Börse ausscheiden können - nun tritt Viermetz schon einige Monate früher in den Ruhestand.

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