Schwierige Nachfolge
Quelle ohne Chef

Geht es um den Chefsessel, ist der Nachrichtenfluss im Hause Quelle vertrocknet. Vor zwei Wochen hatte sich Deutschlands größter Versandhändler von Geschäftsführer Michael Badke, 42, getrennt. Der gebürtige Bonner, seit 1998 in Diensten von Quelle, war nach nur acht Monaten an der Spitze zurückgetreten. Seitdem: Schweigen.

DÜSSELDORF. „Im Unternehmen ist weit und breit kein Nachfolger in Sicht“, sagte ein mit Personalangelegenheiten vertrauter Spitzenmanager dem Handelsblatt. Nun muss sich Marc Sommer auch um das operative Geschäft kümmern. Der 43-Jährige ist bereits als Holding-Vorstand für die Konzerntochter Neckermann und etliche Spezialversender verantwortlich. Durch die Abgänge der vergangenen Monate sei das Reservoir an Topleuten ausgeschöpft, heißt es in Fürth. Neben Ex-Versandhandels-Chef Arwed Fischer und Finanzchef Georg Michael Zupancic verließen im vergangenen Sommer Nathalie Balla (Auslandsgeschäft), Gebhard Stammler (Vertrieb/Marketing) und Peter Wahle (Textil) das Unternehmen.

Auch von außen sei es schwer, für Badke Ersatz zu finden. Gesucht werde eben nicht nur ein Versandhandelsprofi, der den rasanten Umsatzeinbruch zu stoppen vermag. Badkes Nachfolger müsse außerdem uneingeschränkt hinter Sommers neuer Strategie stehen.

An Meinungsverschiedenheiten nämlich war die Zusammenarbeit zwischen Badke und Sommer gescheitert, wie Karstadt-Quelles Konzernchef Thomas Middelhoff öffentlich berichtete. Der ehemalige Bertelsmann-Buchclub-Chef Sommer war erst im Januar zum Essener Konzern gekommen, um dort die Krise des Versandgeschäfts zu beenden.

Wie es in Unternehmenskreisen übereinstimmend heißt, führte ein Dissens über die richtige Marketingstrategie zum Zerwürfnis. Während Badke bei der Werbung gezielt auf die prominenten Eigenmarken „Privileg“ und „Universum“ setzte, verlangte Sommer, die Marke „Quelle“ in den Mittelpunkt zu rücken.

Persönlich sollen sich die beiden Manager weit besser verstehen, als es nach der Trennung den Eindruck macht. Dass Badke bis Juni als Berater an Bord bleibt, hat nicht nur arbeitsvertragliche Gründe. Derzeit forciert Quelle nach Auskunft von Insidern die Ausweitung des Russlandgeschäfts und hat sich dazu McKinsey ins Haus geholt. Bei dem Projekt spielt Badke eine Schlüsselrolle: Er arbeitete selbst lange bei McKinsey.

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