Scott Griffith
Der flippige Sanierer

Scott Griffith rettet den US-Dienstleister Zipcar vor dem Ruin und macht ihn zum größten Car-Sharing-Unternehmen der Welt. Nun profitiert er von der Rezession: Mancher Amerikaner verkauft sein Auto und mietet lieber eines.

NEW YORK. Verwandele eine politische Bewegung in ein Unternehmen! So lautete der Auftrag für Scott Griffith, als er vor sechs Jahren die Führung des amerikanischen Car-Sharing-Unternehmens Zipcar übernahm. Griffith war 43 Jahre alt und hatte Management-Erfahrung. Aber diesmal handelte es sich um eine Herausforderung der besonderen Art. „Ich lächelte und nickte“, erinnert er sich. „Aber gleichzeitig schoss mir durch den Kopf: Auf was habe ich mich eingelassen?“

Car-Sharing-Unternehmen sind Kinder der Ökobewegung. Die Grundidee besteht darin, dass sich Menschen Autos teilen; die Unternehmen versuchen, diese Teilung intelligent zu organisieren. Anders als bei Mietwagenfirmen müssen die Kunden beim Car-Sharing Mitglied werden und häufig eine Kaution hinterlegen. Dafür haben sie Zugriff auf eine Fahrzeugflotte, die auf Parkplätze in der ganzen Stadt verteilt ist, und können Autos auch für kurze Zeit mieten.

Griffith handelte schnell und brachte Zipcar binnen weniger Monate auf Vordermann. Heute ist Zipcar das größte Car-Sharing-Unternehmen der Welt – und profitiert in der Rezession davon, dass viele ihr Auto verkaufen und lieber mieten.

Bevor Griffith kam, hatte das Unternehmen aus Cambridge/Mass. das Selbstverständnis einer weltverbesserischen Fangemeinschaft. Das hatte den Vorteil, dass Enthusiasten sogar die Autos wuschen, bevor sie diese zurückgaben, aber den Nachteil, dass das Unternehmen mit mehr Herz als Verstand geführt wurde. Als Zipcar wegen dilettantischer Finanzierungsverhandlungen fast vor dem Aus stand, trat Griffith an.

Der hatte bereits zwei andere Start-ups geführt und eins davon 1999 für 25 Millionen Dollar verkauft. Mit dem anderen – einem Vertrieb für elektronische Bücher – ging er bankrott. „Es war eine gute Idee, wir waren nur zehn Jahre zu früh“, sagt er heute. Außerdem arbeitete er als selbstständiger Unternehmensberater und bei Boeing. Griffith hat Ingenieurwesen und Betriebswirtschaft studiert, aber ein trockener Typ ist er nicht: Er hat sich schon mal eine mehrmonatige Auszeit genommen, um ein riesiges Baumhaus zu bauen. Ökonomischer Sachverstand und ein Schuss Exzentrik – die Mischung qualifizierte ihn für Zipcar.

Schnell professionalisierte der schmale Mann mit dem spitzbübischen Gesicht Zipcar. Er wandelte die Außenstellen in Profit-Center um, ergänzte die Fahrzeugpalette um Luxusschlitten sowie Kultautos und warb Geschäftskunden. Statt ökologisch korrekten Verhaltens propagierte er Car-Sharing als Ausdruck hippen Lifestyles. Zipcar sei „eine Mischung aus Volkswagens Einladung zum Fahrvergnügen und Napsters Devise ‚Own Nothing, Have Everything'“, schrieb das Magazin „Fastcompany“.

Außerdem ging Griffith auf Expansionskurs. Vor sechs Jahren gab es Zipcar nur in Boston, New York und Washington. Er besorgte 35 Millionen Dollar Risikokapital und eröffnete im Drei-Monats-Rhythmus Zweigstellen, sogar in London, Toronto und Vancouver. 2006 übernahm er den größten Rivalen, Flexcar. Heute ist Zipcar in über 50 Städten präsent, hat eine Viertelmillion Kunden, setzt 100 Millionen Dollar um. Griffith will künftig eine Milliarde Umsatz erzielen und Zipcar an die Börse bringen. Danach baut er vielleicht sein nächstes Baumhaus.

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