SEC-Chef
Der Managerschreck

Als Christopher Cox vor zwei Jahren den Posten als Chef der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC antrat, erntete er viel Skepsis. Doch heute zittern Konzerne rund um den Globus so sehr vor ihm, dass sie in vorauseilendem Gehorsam sogar Manager feuern – so wie im Fall von Siemens.

NEW YORK. Im Büro von Christopher Cox, oben im 10. Stockwerk des gelben Bürogebäudes direkt neben dem Hauptbahnhof in Washington, steht ein ungewöhnlicher Bilderrahmen. Unter dem Bild des berüchtigten Finanzmagnaten Samuel Insull findet sich ein Scheck, ausgestellt auf den Namen von Cox’ Großvater. Der hatte in den 30er-Jahren 6 000 Dollar in eine der vielen Unternehmungen von Insull investiert. Was davon übrig blieb, zeigt der vergilbte Auszahlungsbeleg: 3,34 Dollar. Heute ist das Dokument Cox’ täglicher Ansporn, sich schützend vor Anleger zu stellen – als Chef der US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC).

Und nicht nur Antrieb hat Cox, sondern auch Macht. Sehr viel Macht. Die SEC hat in der internationalen Wirtschafts- und Finanzwelt einen Ruf wie Donnerhall. Die drei Buchstaben reichen aus, um selbst gestandene Manager zittern zu lassen. Bestes Beispiel dafür ist die Siemens-Affäre: Nach Angaben des neuen Aufsichtsratschefs Gerhard Cromme haben die „ernsten Bedenken der US-Behörden“ verhindert, dass der Vertrag von Siemens-Chef Klaus Kleinfeld verlängert wurde. Welche Behörden? Gemeint ist natürlich die SEC.

Cromme ist nicht der Einzige, der zittert. Auch Apple-Chef Steve Jobs weiß immer noch nicht, ob er von der Börsenaufsicht wegen der Rückdatierung von Aktienoptionen vor den Kadi gezogen wird. Andere haben den langen Arm der SEC und ihres 54-jährigen Vorsitzenden bereits zu spüren bekommen. Im Februar vergangenen Jahres zahlte der Versicherungsriese AIG eine saftige Strafe von 800 Millionen Dollar, um einer Anklage zu entgehen. Die SEC ermittelt im Optionsskandal gegen mehr als 170 Unternehmen und hat bereits zahlreiche Manager zum Rücktritt gezwungen. „Er hat sich sehr deutlich gegen die Rückdatierung ausgesprochen und sichergestellt, dass (die Manipulationen) rigoros aufgeklärt werden“, sagt Ann Yerger, Direktorin der Aktionärsberatung Council of Institutional Investors, über Cox.

Manger an die Kandare genommen

Die unnachgiebige Verfolgung von Übeltätern aus den oberen Etagen der Wirtschaft bringt den SEC-Chef regelmäßig in die Schlagzeilen. Weit weniger bekannt ist, dass der Harvard-Jurist hinter den Kulissen akribisch daran arbeitet, die Unternehmensführung in den USA zu verbessern, die Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Kapitalmärkte zu stärken, und für eine Harmonisierung internationaler Bilanzregeln eintritt.

So hat Cox dafür gesorgt, dass die US-Manager künftig alle Bestandteile ihrer Vergütungen bis hin zu den Pensionszusagen auf den Tisch legen müssen. Außerdem hat er die umstrittene Verschärfung der Regeln zur Unternehmensberichterstattung im Rahmen des Sarbanes-Oxley-Gesetzes gestrafft und die Abmeldung ausländischer Unternehmen von den US-Börsen erleichtert.

Sein jüngster Coup kam vergangene Woche: Er stellte US-Unternehmen in Aussicht, von den heimischen Bilanzvorschriften US-GAAP zur internationalen Rechnungslegung nach den IFRS-Regeln zu wechseln.

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