Seibu-Railway-Chef Tsutsumi wirft das Handtuch
„Rothschild Japans“ stolpert über Skandal

Ein Korruptionsskandal hat in Japan zum Rücktritt eines der schillerndsten Unternehmensbosse des Landes geführt. Der 69-jährige Yoshiaki Tsutsumi, der als einer der reichsten Männer der Welt gilt und auch der „Rothschild von Japan“ genannt wird, gibt den Chefposten beim Eisenbahnkonzern Seibu Railway auf.

HB TOKIO. Drei seiner Spitzenmanager waren kürzlich wegen Verdachts von Schmiergeldzahlungen an einen Gangster im Zusammenhang mit Immobiliengeschäften verhaftet worden.

Tsutsumi entstammt einer Milliardärsfamilie, deren atemberaubender Aufstieg zu Macht, Ruhm und gewaltigem Reichtum von Gewinnsucht, zahllosen Affären und Machtkämpfen begleitet wurde und eng mit der wechselvollen politischen und wirtschaftlichen Entwicklung des modernen Japans verbunden ist. Den Grundstein für sein gewaltiges Firmenimperium, zu dem auch Kaufhäuser, Golfplätze, Hotels und Freizeitanlagen gehören, legte einst sein Vater, der legendäre Yasujiro Tsutsumi. Er war einer der Pioniere, die das moderne Japan mitprägten. Bereits mit 34 Jahren war Yasujiro Herr über Ländereien und Gebäude, streckte seinen Einflussbereich auf die Politik aus und kaufte Eisenbahngesellschaften auf, unter anderem die Seibu-Linie, die später Namensgeber für den gesamten Tsutsumi-Konzern wurde.

Nach dem Tod seines Vaters baute Yoshiaki das Familienvermögen immer weiter aus. Durch geschickte Investitionen in Feriengebiete, Skipisten und Golfanlagen schuf er sich in der Welt des Sports eine enorme Machtbasis. Dank seiner persönlichen Kontakte zu höchsten Politik- und Sportkreisen soll es denn auch ihm mit zu verdanken gewesen sein, dass die Olympischen Winterspiele von 1998 nach Nagano - und damit gewissermaßen in seine Privatfirma gelangten. Dahinter könnte die Absicht gestanden haben, die Infrastruktur in der Region, in der er bereits viele Hotels und eine Skipiste besaß, quasi auf Olympia-Kosten zu entwickeln.

Doch nun sorgt ein Korruptionsskandal für einen unrühmlichen Abgang von der Spitze seines Konzerns, die Yoshiaki Tsutsumi seit 1989 inne hatte. Drei seiner Manager sollen einem zur organisierten japanischen Mafia zählenden Unternehmenserpresser, der Aktien an Seibu Railway hielt, im Zusammenhang mit Immobiliendeals Wohltaten im Wert von 890 Mill. Yen (7 Mill. €) zukommen haben lassen. Das Management war daraufhin umstrukturiert worden, doch Tsutsumi blieb zunächst unangetastet. Er habe keinen Schimmer von dem Skandal gehabt, da er nicht mit den Tagesgeschäften betraut gewesen sei. Nach scharfer Kritik aus Wirtschaftskreisen zog Tsutsumi am Mittwoch die Konsequenzen. Er trete aus „moralischer Verantwortung“ zurück, seine Manager nicht genug beaufsichtigt zu haben, sagte er.

Doch ganz aus dem Geschäft ist Tsutsumi deswegen noch lange nicht: Er werde Vorsitzender von Kokudo und damit Chef des größten Anteilseigners bei Seibu Railway bleiben. Auch seine Posten bei anderen der rund 100 Gruppenfirmen werde er genauso behalten wie den ihm gehörenden Profi-Baseballclub Seibu Lions. Sollte er jedoch aufgefordert werden, sein Amt als Ehrenvorsitzender des Japanischen Olympischen Komitees aufzugeben, so sei er dazu bereit, ließ der mächtige Tycoon wissen.

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