Sein Meisterstück lieferte der Manager in den USA ab
Sonnyboy mit Ausdauer

Der Abgang passt zu Heinrich von Pierer. Der Siemens-Chef hat die Märkte schon immer gerne überrascht: mit Übernahmen, mit Verkäufen, mit Großaufträgen und brisanten Äußerungen zur Politik. Und auch gestern: Völlig überraschend kündigte er seinen Abgang als Konzernboss schon für den Januar 2005 an. Mit der nächsten Hauptversammlung will er an die Spitze des Aufsichtsrats wechseln.

MÜNCHEN. Schneller als erwartet wird jetzt von Pierers Kronprinz Klaus Kleinfeld das Ruder übernehmen. Bislang waren die meisten Beobachter davon ausgegangen, dass der 63-jährige von Pierer bis 2006 weitermachen würde – dann feiert er seinen 65. Geburtstag. Wie es seine Art ist, machte der Konzernlenker gestern wenig Aufheben um die wichtigste Personalie bei Siemens: Am Nachmittag flog er nach Berlin, um am Abend mit Bundeskanzler Gerhard Schröder über Investitionen in Deutschland zu diskutieren.

Spätestens seit von Pierer den 46-jährigen Kleinfeld Anfang des Jahres in die Zentrale nach München zurückholte, war der promovierte Betriebswirt klarer Favorit im Wettstreit um den Chefposten in Deutschlands größtem Technologiekonzern. Europa-Chef Johannes Feldmayer, 47, und Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger, 51, wurden nur noch geringe Chancen eingeräumt. Aus dem Rennen waren auch Infineon-Chef Ulrich Schumacher und Siemens-Mobilfunk-Chef Rudi Lamprecht. Auch ihre Namen wurden früher für den Top-Posten gehandelt.

Kleinfeld, seit 1987 im Konzern, gilt seit Jahren als enger Vertrauter des großen Lenkers. Ins Blickfeld von Pierers kam der gebürtige Bremer ab Mitte der 90er-Jahre, als er die Siemens-Unternehmensberatung leitete und später das konzernweite Fitness-Programm „Top-Plus“ zur Ertragsverbesserung aufsetzte.

Sein Meisterstück lieferte der Manager aber in den USA ab. Im Heimatland des wichtigsten Konkurrenten General Electric gelang es dem Kaufmann in nur zwei Jahren, die zuvor weitgehend selbstständigen Bereiche zu einer Einheit zu verschweißen. Mit radikalen Einschnitten, peniblen Renditevorgaben und unbequemen Fragen an das Management verwandelte er einen Verlust von rund 600 Millionen Euro in einen Profit in etwa gleicher Höhe.

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