Seit dem Fall Scharping klingelt bei Hunzinger das Telefon seltener
Stehaufmännchen unter Druck

Großaktionär Bolko Hoffmann macht PR-Mann Moritz Hunzinger mit einem Übernahmeangebot das Leben schwer.

FRANKFURT. Fast wirkt es, als würde PR-Unternehmer Moritz Hunzinger von einer Duracell-Batterie angetrieben: Er läuft und läuft und läuft – immer in Bewegung, immer auf dem Sprung zum nächsten Termin, zum nächsten Kontakt, zum nächsten hochrangigen Vertrauten aus Politik und Wirtschaft. „Alles im grünen Bereich, das erste Halbjahr war prima, und das zweite läuft auch gut“, erzählt er am Handy, die Stimme zwischen aufgeräumt und enthusiastisch, wie immer. Und natürlich ist Hunzinger unterwegs – im Taxi, auf dem Weg von seiner Firmenzentrale im noblen Frankfurter Holzhausen-Viertel zu einer Verabredung im Rathaus am Römer.

Der umtriebige Hunzinger, Typ Vorstandsassistent, jungenhaftes Gesicht, exakt gescheitelte dunkle Haare, Hornbrille, bleibt immer in Bewegung. Doch in seine Maschinerie ist Sand geraten. Dem PR-Profi droht ein Übernahmeangebot eines Großaktionärs, auf den das Attribut „schillernd“ genauso passt wie auf Hunzinger selbst: Bolko Hoffmann, Herausgeber des „Effecten-Spiegels“, eines Heftchens mit Nachrichten über Aktien. Berühmt wurde der 65-Jährige mit den sorgfältig über die hohe Stirn frisierten Haaren allerdings mit einer Anzeigenkampagne: Ganzseitig wetterte er in großen Zeitungen gegen den Euro.

Sein Geld verdient Hoffmann vor allem mit einer Beteiligungsgesellschaft, und über die hat er diskret den Anteil an der Hunzinger Information AG auf gut 33 Prozent aufgestockt. Jetzt will er, wie es das Übernahmerecht vorschreibt, allen Aktionären ein Angebot für ihre Anteile machen. Hunzinger bleibt nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen: „Natürlich ist das mein Lebenswerk, ohne mich gäbe es die Firma nicht, aber Herr Hoffmann gilt ja als hochkluger Investor. Ich kann mit jedem zusammenarbeiten, auch mit schwierigen Persönlichkeiten“, sagt er. Außerdem habe Hoffmann „sehr viel mehr Kultur als der Wüterich, als der er in der Öffentlichkeit erscheint“.

Dass er mit beinahe jedem kann, hat Hunzinger in 25 Jahren als PR-Profi bewiesen – als Beziehungsmakler und Strippenzieher, als Lobbyist, Geschäftevermittler, Aufsichtsrat, Unternehmer, Chef des Meinungsforschungsinstitutes Infas und der Fotoagentur Action Press. Sein wichtigstes Kapital ist sein Adressbuch, rund 70 000 Kontakte sollen darin verewigt sein. Zu seinen Klienten gehörten Bill Gates und Muammar al Gaddafi. Als 1998 die rot-grüne Bundesregierung an die Macht kam, war es das CDU-Mitglied Hunzinger, das vielen der neuen Abgeordneten und Minister half, Kontakte zu den Spitzen der Wirtschaft zu knüpfen.

Feinde, vor allem Konkurrenten und Banker, hatte er freilich schon damals reichlich. Die beschimpften ihn mal als „neureichen Luftikus“, mal als „aalglatten Intriganten“. Vorwürfe, die an Hunzingers Ego abperlten. „Wir sind die Besten, das erzeugt natürlich Neid.“

Doch seit dem Fall Scharping klingelt bei Hunzinger das Telefon seltener. Die PR-Maschine läuft nicht mehr so rund, seit Hunzinger öfter in die Medien geriet als viele seiner Klienten. Zur Erinnerung: Der PR-Mann versuchte das öffentliche Bild von Verteidigungsminister Rudolf Scharping aufzupeppen – zuerst durch Planschbilder aus dem Swimmingpool, dann durch teure Anzüge. Für Bundeskanzler Gerhard Schröder Grund genug, Scharping den Stuhl vor die Tür zu stellen.

Nur wenig später stolperte der Grünen-Abgeordnete Cem Özdemir über einen Kredit, den er bei Hunzinger aufgenommen hatte. Für den PR-Mann ist die ganze Affäre nichts als „gut getimte Wahlkampfscheiße“. Doch der Skandal hinterlässt Narben. Als das Landgericht Hamburg im Juni verkündet, Scharping habe von Hunzinger keine Vorteile entgegengenommen, gibt der eine persönliche Erklärung ab: Mehrere Mitglieder der Bundesregierung hätten angerufen und „ihn um Entschuldigung gebeten, in den Wahlkampf hineingezogen worden zu sein“. Hunzinger: „Ich habe das akzeptiert.“

Jetzt also Bolko Hoffmann. Der Schachzug des Großaktionärs kam überraschend – auch für Hunzinger. Auf der letzten Hauptversammlung seines Unternehmens hatte Hoffmann noch angekündigt, seine Hunzinger-Aktien verkaufen zu wollen. Möglicher Grund für den Meinungsumschwung: Von Anfang an hatte der stramme Euro-Gegner vor allem die Hunzinger-Tochter Action Press im Blick; und für die gut laufende Bildagentur soll es einen Kaufinteressenten geben.

Zumindest der Aktie tun die Spekulationen gut. 1,26 Euro sind die Hunzinger-Anteile nach einem Tief von 48 Cent inzwischen wieder wert. Zu Hochzeiten des Neuen Markts waren es einmal 16 Euro.

Seine eigenen 21,54 Prozent will Hunzinger auf jeden Fall behalten. An seinem Sessel als Vorstandschef klebe er aber nicht, sagt er. „Wenn jemand will, dass ich aufhöre, dann geht das sehr schnell.“ Aber dass das Unternehmen wirklich ohne ihn funktionieren könnte, glaubt er nicht. „Selbstverständlich würde ich auch nach einem Ausscheiden mit meinen Kontakten und Beziehungen helfen, schon aus emotionaler Verbundenheit.“

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%