Selfmademan der Londoner City
Clive Cowdery – ein wagemutiger Investor

Clive Cowdery gilt als wagemutiger Investor. Mit seiner Firma Resolution will der Selfmademan die britische Finanzszene aufmischen, Übernahmen forcieren. Im Visier hat er vor allem Versicherer, Banken und Vermögensverwalter „mit Restrukturierungspotenzial“.

LONDON. Viel nobler als Clive Cowdery kann man in London kaum residieren. Die Büros seiner Firma Resolution liegen direkt gegenüber der Nobelherberge Ritz im vornehmen Stadtteil Piccadilly. Dabei passt das gediegene Understatement dieser Gegen gar nicht so recht zu Cowderys direkter, schnörkelloser Art. Der 46-jährige Finanzier hat sich in seiner Karriere in der Versicherungsbranche den Ruf eines Stehaufmännchens erworben. „Come Back King“ ist einer der Spitznamen, die seine Kollegen in der City ihm angehängt haben.

Cowdery gilt als wagemutiger Investor. Mitten in der Finanzkrise hat er einen Börsengang durchgezogen, der 600 Mio. Pfund in die Kassen seiner Investmentgesellschaft Resolution spülte. Mit dem Geld will der Finanzier Übernahmen in der Finanzbranche finanzieren. Im Visier hat Cowdery vor allem Versicherer, Banken und Vermögensverwalter „mit Restrukturierungspotenzial“. Die volatilen Bedingungen nach der Finanzkrise böten viele Gelegenheiten, schwächelnde Unternehmen umzubauen und „sie ihren natürlichen Besitzern zurückzugeben“.

Bislang hat Resolution noch keinen Deal abgeschlossen. Mit seiner Offerte für den angeschlagenen und inzwischen verstaatlichten Baufinanzierer Bradford & Bingley scheiterte Cowdery. Auch das neueste Objekt seiner Begierde, der Versicherer Friends Provident, ziert sich, obwohl Cowdery seine 1,7 Mrd. Pfund schwere Offerte mit einer Barkomponente versüßte.

Aber wer den Finanzier kennt, weiß, dass er so schnell nicht aufgibt. Cowdery ist der klassische Selfmademan: Aufgewachsen im englischen Westen als eines von fünf Kindern einer alleinerziehenden Mutter, startete er seine Karriere als Versicherungsvertreter. Langsam arbeitete er sich nach oben und machte im Versicherungszweig des US-Mischkonzerns General Electric Karriere.

Seinen Namen als wagemutiger Investor machte er sich allerdings erst 2004 als er GE verließ und Resolution gründete. Cowdery verdiente ein Vermögen, indem er günstig Lebensversicherungsbestände von Anbietern aufkaufte, die kein Neugeschäft mehr machten. Die Größenvorteile, die er mit seiner Gesellschaft erreichte, halfen ihm, die Kosten für die Abarbeitung der Policen deutlich zu senken. Cowdery war mit einem Kredit von einer halben Million Pfund gestartet. 2007 verkaufte er sein Geschäft für knapp fünf Mrd. Pfund an die Pearl Group des Konkurrenten Hugh Osmond. Den Firmennamen Resolution behielt er allerdings, um mit frischem Geld auf Firmenjagd zu gehen.

Zunächst machte ihm allerdings die Finanzaufsicht FSA einen Strich durch die Rechnung. Die Regulierer hatten Cowdery und vier seiner Direktoren vorübergehend den Abschluss von Übernahmen untersagt, weil sie Unregelmäßigkeiten beim Verkauf seiner Investmentgesellschaft an Pearl vermuteten. Der Verdacht erhärtete sich nicht, und inzwischen darf Cowdery nach Herzenslust weiter Firmen jagen. Jetzt müsste nur noch das Management der „Beute“ Friends Provident „ja“ sagen. Doch am Montag brach der Versicherer erst einmal alle Verhandlungen ab.

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