Seminar für Führungskräfte
Nahkampf im Büro

Mit Schießübungen und Atemtechniken lernen Manager im Berufsalltag, cool und stressstabil zu werden. Die Ausbilder argumentieren, Führungskräften gehe es im Büro nicht viel anders als Einzelkämpfern, die auf sich gestellt seien und jederzeit mit Attacken rechnen müssten.

DÜSSELDORF. Andreas’ Hände sind feucht. Sein Herz bebt. Sein Kopf ist völlig leer. „Jetzt gleich knallt es wieder“, denkt der 42-jährige Ingenieur aufgeregt. Dieser ohrenbetäubende Lärm der Jerry Cotton 38 Special, das grelle Mündungsfeuer und der Rückschlag des Revolvers, der ihm jedes Mal durch Mark und Bein geht.

Einen Moment fühlt der Junior-Geschäftsführer eines mittelständischen Automobilzulieferers den Impuls, die Waffe hinzulegen und nach Hause zu fahren. „Wer schießt, setzt sich den Urängsten der Menschheit aus“, erklärt Schießausbilder Gerhard Schiefke dem halben Dutzend Manager, die in dem zweitägigen Seminar des VDI-Wissensforums im Düsseldorfer Schieß-Sport-Zentrum Magnum lernen wollen, unter Druck einen kühlen Kopf zu bewahren.

Abteilungsleiter Carsten steht kurz vor der Beförderung zum Gruppenleiter, ist aber unsicher, ob er „den Aggressionspegel der nächsten Hierarchiestufe aushält“. Geschäftsführungsassistentin Susanne meint, „zu schnell hibbelig zu werden, wenn es rundgeht“, und hat es satt, dass Kollegen ihr die innere Anspannung anmerken. Bereichsleiter Sven liegt mit dem neuen Chef öfter im Clinch.

Am eigenen Leib zu erfahren, was ein Scharfschütze durchlebt, wenn er den Abzug betätigt, und wie Spezialkräfte der Polizei sich körperlich und mental auf die Befreiung von Geiseln vorbereiten – das soll den Teilnehmern des Seminars „Stressresistenz, Strategie und Taktik für Führungskräfte“ helfen, künftig auch im Büroalltag ruhig zu bleiben.

Lektion eins: „Knall, Blitz und Schlag sind Stressfaktoren, die Schützen nur durch Reflexion und Training in den Griff bekommen“, erklärt Schiefke. Der Ex-Polizist baute in den 70er-Jahren die SEK-Einheiten der Polizei mit auf und weiß: „Nur der Schütze, der seine innere Angst überwindet und ruhig bleibt, hat Erfolg.“

„Managern ergeht es im Büro heutzutage nicht viel anders als Einzelkämpfern, die irgendwo im Hinterland ohne Rückzugsmöglichkeit ausgesetzt werden und jederzeit mit Attacken rechnen müssen“, weiß Trainer und Kampfkunstexperte Bernd Gimpel aus Aachen. Was also spricht dagegen, sich als Führungskraft Techniken der Nahkämpfer anzueignen?

Zum Beispiel die Anti-Stress-Atemtechnik, die russische Nahkampfspezialisten einsetzen: drei Schritte einatmen, drei Schritte ausatmen. Bernd Gimpel: „Diese Atemtechnik kann man auf dem Weg ins Büro oder in den Konferenzraum anwenden und so unauffällig das Herzkreislaufsystem auf Stress vorbereiten“, erklärt Gimpels Kompagnon Wolfgang Abbas. Vor allem nach aufregenden Verhandlungen oder Auseinandersetzungen kann die richtige Atmung helfen.

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