Sentimentalitäten sind nicht seine Sache
Axel Heitmann: Überflieger mit Bodenhaftung

An drei Tischen eines Clubs in einer deutschen Großstadt haben sich professionell Neugierige niedergelassen, um Axel Heitmann kennen zu lernen. Sie erleben den künftigen Chef des Bayer-Chemieablegers Lanxess als gewinnenden Prediger für das Unternehmen, das da kommen soll.

HB DÜSSELDORF. Aber Konkretes über die Zukunft von Lanxess vermeidet der blonde, schlaksige Heitmann geschickt. Als die Journalisten später seine Antworten auf unterschiedliche Fragen an den Tischen vergleichen, stellen sie fest: Viele seiner Äußerungen waren bis zum Wortlaut gleich.

Das war im Juli, als das Unternehmen Lanxess begann, Formen anzunehmen. Heitmanns missionarischer Eifer beeindruckte zwar, gab aber keine Antwort auf die Frage: Wer ist Axel Heitmann?

Oder vielleicht doch. "Heitmann ist einfach unglaublich hartnäckig", sagt ein Bayer-Manager, der ihn aus der Nähe erlebt hat. "Wenn er von einer Idee überzeugt ist, scheut er sich nicht, seine Argumente stundenlang wortgleich zu wiederholen, bis der Gesprächspartner nachgibt."

Seine Beharrlichkeit hat dem designierten Chef von Lanxess, das auf der heutigen außerordentlichen Hauptversammlung vom Bayer - Konzern abgespalten werden soll, nicht nur Freunde gemacht. Sie ist aber wohl ein Grund für seinen Erfolg. Der andere ist Geschwindigkeit. Heitmann, dem man die Hamburger Herkunft anhört, der sich aber immer dort zu Hause fühlt, wo die nächste Aufgabe auf ihn wartet, erwarb sich bei Bayer den Ruf des blitzgescheiten Überfliegers.

"Wer schnell ist, ist auch gut", hat einer seiner Professoren Heitmann beigebracht, wofür sich der Chemiker nach zehn Semestern mit sehr guten Abschlussnoten bedankte. Anschließend bekam er es bei seiner Dissertation mit Antigenen und Antikörpern zu tun. Der Umgang mit den Bausteinen des Immunsystems hätte dem schon als Schulkind von Chemie und Biologie faszinierten Heitmann leicht zu einer Karriere in den damals aufblühenden Biotech- Startups verhelfen können. Doch er hatte schon als Junge im väterlichen Ingenieurbüro gelernt, "in größeren wirtschaftlichen Zusammenhängen zu denken", wie er sagt. Weil er "auf großer Ebene an den großen Rädern drehen" wollte, wählte er die Großchemie und ging zu Bayer.

Nach Stationen als Betriebsleiter und Standortchef, die ihn immer wieder ins Kautschukgeschäft führten, übertrug man ihm die Sanierung der Tochterfirma Wolff Walsrode. Die Aufgabe bewältigte Heitmann in gut zwei Jahren. Zur Belohnung wurde er zunächst zum Leiter des Bayer-Kautschukgeschäfts berufen, nur Monate später rückte er in die Geschäftsführung von Bayer Material Science ein. Für zwei Jahre zog er mit Frau und zwei schulpflichtigen Kindern nach Schanghai und leitete von dort aus Bayers Kunststoff- und Chemiegeschäft in Asien.

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