Serge Tchuruk/ Patricia Russo
Gescheiterte Strategen

Das ungleiche Duo Patricia Russo und Serge Tchuruk wollte mit dem Telekomausrüster Alcatel-Lucent einen Coup landen – gibt aber jetzt erfolglos auf.

PARIS. Die Abschiedsworte klingen wie Hohn. In einer wortreichen Presseerklärung teilt der französisch-amerikanische Telekomausrüster Alcatel-Lucent mit: Nach dem sechsten Quartal mit Verlust treten Präsident Serge Tchuruk und Chief Executive Officer (CEO) Patricia („Pat“) Russo ab.

Und Tchuruk? Er geht mit den Worten: „Die Merger-Phase liegt nun hinter uns. Ich bin stolz, dass Alcatel-Lucent ein Weltmarktführer in einer Technologie geworden ist, die unsere Gesellschaft verändert.“

Stolz? Seit der Fusion im April 2006 hat der Telekomausrüster über 60 Prozent seines Börsenwerts verloren. 16 500 Mitarbeiter verlieren ihren Job. Und der von Tchuruk mit aus der Taufe gehobene „Weltmarktführer“ hat noch nie Geld verdient.

Aber Tchuruk ist „stolz“. Die Trotzreaktion ist typisch für den 70-Jährigen. Hart, uneinsichtig, unbelehrbar. Der Sohn armenischer Gewürzhändler hat den Ruf des harten Sanierers. Aber der Rücktritt zum 1. Oktober markiert nun endgültig, dass Tchuruk als Stratege auf der ganzen Linie gescheitert ist. „Seitdem er 1995 die Führung von Alcatel übernahm, hat er eigentlich nur Unsinn gemacht“, sagt schonungslos Jean-Philippe Muge, Fondsmanager der Vermögensverwaltung der Swiss-Life. Gescheitert ist Tchuruk vor allem an sich selbst.

Die im zweiten Anlauf eingefädelte Fusion der beiden Telekomausrüster Alcatel und Lucent sollte sein Meisterstück werden, mit dem sich der Manager mit den markanten Gesichtszügen in die Wirtschaftsgeschichte verabschieden wollte. Heute wird der Zusammenschluss als Fehler gewertet. „Die Fusion, die 2006 auf Powerpoint super aussah, kommt 2008 auf Excel wie ein Desaster daher“, höhnt ein Pariser Banker.

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