Serie Brasilien
Der pragmatische Rebell des Amazonas

Brasilien hat seine Schwächen überwunden und gute Chance, gestärkt aus der globalen Wirtschaftskrise hervorzugehen. Nach und nach tritt der grüne Riese aus dem Schatten der Boomländer Indien und China hervor. Das Handelsblatt stellt Menschen vor, die für das neue Brasilien stehen. Heute: Wie Paulo Adario, Amazonas-Aktivist von Greenpeace, es schafft, Manager von seiner Sache zu überzeugen.

MANAUS. Der „Wilde Westen“ ist in Südamerika der Norden. „Terra sem lei“, Land ohne Gesetz, nennen Brasilianer jenen endlosen Landstrich, der als prominentester Patient des globalen Ökosystems die Welt in Atem hält.

Einer, der sich aufgemacht hat, den Leidenden vor dem Exitus zu bewahren, ist Paulo Adario. Adario lebt in Manaus, der schwitzenden Metropole am Rio Negro im Herzen des brasilianischen Regenwaldes. Er ist „Greenpeace-Direktor“ für den Amazonas. Ebenso wenig wie der Titel passt das Arbeitsumfeld zu Adario , der 16 Jahre seines Lebens der Umweltorganisation gewidmet hat. Wer ihn treffen will, muss zuerst durch eine Sicherheitsschleuse – ein großes Tor, Überwachungskameras, ein Security-Mann, der den Besucher kritisch beäugt – nicht die Welt von Greenpeace, sollte man meinen.

Adarios Mitstreiter sind jung und aus verschiedensten Ländern. Sie arbeiten in einem großen, dunklen Raum ohne Fenster. Die Tropenhitze erlaubt keinen Blick ins Freie. Adario ist so was wie der Großvater der jungen Truppe, ihr gemeinsames Baby: „the amazon“, wie sie liebevoll sagen.

Paolo Adario ist nicht irgendein Aktivist, er ist einer, der in ökonomischen Kategorien denkt. Einer, der glaubt, ein Triumph des Marktes müsse nicht zwangsläufig eine Niederlage der Natur bedeuten. Eigenschaften, die seinen Kampf nicht unbedingt aussichtsreicher machen, ihn aber von zahlreichen Weggefährten unterscheidet.

Der Amazonas ist für Brasilien mehr als nur ein Umweltproblem, er ist ein Symbol. Der Kampf gegen die zunehmende Abholzung des Regenwaldes ist eine Art Reifeprüfung Brasiliens. Hat das Land Erfolg, trägt es einen entscheidenden Anteil im Kampf gegen den Klimawandel bei. Denn rund 75 Prozent der Treibhausgasemissionen Brasiliens – der viertgrößte Klimaverschmutzer weltweit – stammen aus der Zerstörung der Wälder. Das Land würde sich enormen Respekt bei der internationalen Gemeinschaft verschaffen und könnte endlich, wie es dem riesigen Land gebührt, im Konzert der ganz Großen mitspielen.

So sehen es die einen. Für die anderen ist der Amazonas eine Frage der nationalen Souveränität. Die vielen internationalen Umwelt-Organisationen, die sich dort tummeln und weltweit in den Medien präsent sind, wecken Skepsis. Mit zunehmender Penetranz stören die Umweltaktivisten all jene, die im Regenwald Geschäfte machen wollen: vor allem Holzhändler, Sojafarmer und Rinderzüchter. Den Appell an die Verantwortung für das Weltklima kontern sie mit dem Hinweis, dass die Europäer ihre Urwälder schon vor Jahrhunderten abgeholzt hätten.

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