Serie: Die Kunst-Macher: Leben mit der Bombe

Serie: Die Kunst-Macher
Leben mit der Bombe

Sie liegt auf dem Parkett im großzügigen Altbau-Wohnzimmer, gleich neben dem Playmobil-Schloss: eine goldene Kugel wie aus dem „Froschkönig“ entsprungen. Nur der Aufdruck passt so gar nicht zur Märchenromantik: „It will explode in 2104.“

HB DÜSSELDORF. Ein Gag? „Nein, sie wird in genau 98 Jahren explodieren“, sagt Nina Höke mit ernstem Gesicht. Sie vertraut dem Künstler Kris Martin, der zehn solcher Kugeln mit dem Titel „100 years“ von Sprengstoffexperten bauen ließ, und hofft, dass vorher nichts passiert. „Aber manchmal habe ich schon ein mulmiges Gefühl, weil auch unsere Kinder damit spielen“, sagt Alexander Sies.

Dabei wirken die beiden nicht wie Bombenbesitzer. Die schlanke, große Frau mit dem langen, geknoteten Haar und der leisen Stimme würde eher in ein „Schöner Wohnen“-Musterhaus passen. Ebenso ihr 36-jähriger Mann, Alexander Sies, fast zwei Meter groß, modern-salopp gekleidet, mit leicht gegeltem Haar.

Aber stromlinienförmig sind weder die beiden Galeristen noch ihre Kunst, die sie am Rande des Düsseldorfer Antiquitäten- und Kunstviertels Karlstadt zeigen. „Wir betreuen Künstler unserer Generation, die uns berühren, die oft radikal sind“, sagt die 37-jährige Höke morgens, bei Kaffee und Croissant in den hohen Altbauräumen der Galerie.

Zu den Stammkünstlern von Sies + Höke gehören nicht nur der 33-jährige Belgier Martin, sondern auch der international gefragte Bildhauer Florian Slotawa, der Möbel aus Hotelzimmern und Wohnungen zu wilden Skulpturen zusammenfügt, und Fotostar Uta Barth.

Bekannte deutsche Sammler wie Wilhelm Schürmann aus Herzogenrath bei Aachen, der früh den Künstler Martin Kippenberger entdeckte, schätzen den Mut von Sies und Höke: „Sie haben ein völlig eigenständiges Programm mit zum Teil sehr sperrigen Künstlern, die sie international groß herausbringen.“

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