Serie: Familien-Bande
Zäher als Leder

Einmal im Jahr kommen sie alle zusammen. Die Freudenbergs. Dann reisen sie an aus den USA, aus Großbritannien und allen Ecken Deutschlands zur Gesellschafterversammlung ins Städtchen Weinheim bei Mannheim.

WEINHEIM. Samstags gibt es Vorträge, Eintopf, Abstimmungen. Sonntags geht es dann üppiger zu. Mit Kindern und Lebenspartnern pilgern sie in die alte Freudenberg-Villa im so genannten Hermannshof. In dem klassizistischen Bau, mitten in einem herrschaftlichen Park gelegen, lockt das traditionelle Mittagsbüfett.

Da wird ordentlich aufgetischt. "Ich habe gehört, wie ein Kind das andere fragte: Wie viel Kugeln Eis hast du denn schon? Waaas? Erst 23?" Die Episode vom Familientreffen erzählt Wolfram Freudenberg mit sichtlichem Vergnügen.

Der große, schlanke Mann mit der hohen Denkerstirn ist ein Familienmensch durch und durch. Privat ist er Vater zweier erwachsener Kinder. Beruflich ist er seit Anfang Juli der oberste Interessenvertreter der Freudenberg-Familie.

Ihr gehört die gleichnamige Unternehmensgruppe, die Produkte von "Vileda"-Haushaltswaren über Dichtungs- und Schwingungstechnik für die Autoindustrie bis Vliesstoffe, Bodenbeläge ("Nora"Noppenböden) sowie Spezialchemie im In- und Ausland herstellt. Sie kam im vergangenen Jahr mit 32 000 Mitarbeitern auf einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro und einen Konzerngewinn von 171 Millionen Euro.

Als neuer Vorsitzender des Gesellschafterausschusses liegt type="person" value="Freudenberg, Wolfram">Wolfram Freudenberg der "Wohlfühlfaktor", wie er es nennt, bei den Familientreffen am Herzen. "Es ist wichtig, dass alle Freudenbergs, auch die jüngsten und die angeheirateten, gerne zu unserer Versammlung kommen und früh in die Kultur und das Denken der Familie hineinwachsen."

Das sieht er als wichtige Voraussetzung dafür, dass die über 150 Jahre alte Firmengruppe langfristig in Familienhand bleibt und nicht wie andere Unternehmen durch Streit und Geldgier der Erben heruntergewirtschaftet wird. Die Gefahr ist nicht klein: wenn ein Unternehmen schon in fünfter Generation geführt wird, sich von seinen Ursprüngen, der Leder-Gerberei, weit entfernt hat, 300 Gesellschaftern gehört, von denen keiner mehr als mit zwei Prozent beteiligt ist.

Wolfram Freudenberg jedenfalls will dafür sorgen, dass die verschwiegene Unternehmerfamilie weiterhin nicht durch Negativschlagzeilen auffällt.

Seite 1:

Zäher als Leder

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%