Serie: Generation Zukunft
Mit schneller Hand durch die Cyberwelt

Lee Yoon-Yeols Welt liegt auf dem Bildschirm vor ihm. Ohne Pause schaut der 21 Jahre alte Koreaner mit den weichen Gesichtszügen auf die kleinen Figuren, die sich zu Gruppen formieren, Minerale sammeln, eigene Stellungen aufbauen und die des Gegners angreifen.

SEOUL. Die linke Hand auf dem Keyboard, die rechte an der Maus klickt er sich durch die Welt von Menschen-, Monster- und Maschinenrassen, die Terraner, Protoss und Zerg heißen. Starcraft heißt diese für viele Ältere schwer zugängliche Welt – es ist die Welt eines Strategiespiels aus den USA, das Yoon-Yeols Leben bestimmt.

Yoon-Yeol ist einer von gut 200 Profi-Computerspielern in Südkorea. „Zuerst habe ich nur einfach aus Spaß gespielt“, meint er, während er in der Mittagspause von seinem streng regulierten Morgentraining abschaltet. „Aber dann habe ich gemerkt, dass man Preisgelder gewinnen kann.“ Mit dem ersten Gewinn habe er Obst für seine Eltern gekauft. Die waren dennoch zuerst gegen das Computerspiel. Davon ein Leben bestreiten? Doch Yoon-Yeol setzte sich durch – und ist seit dem Jahr 2000 Profispieler. „Mittlerweile gehören meine Eltern zu meinen größten Unterstützern“, sagt er – und lächelt verlegen. Zu Kopf gestiegen ist ihm der Starrummel bisher nicht.

Und dass, obwohl die Profispieler in Südkorea verehrt werden wie Sportstars oder Popsänger. Längst ist Computerspielen in Korea zu einer Art normalen Sport geworden – Esports genannt. Drei Spezialsender übertragen den ganzen Tag nichts anderes. Elf Profiteams, von denen die meisten zu großen Unternehmen gehören, konkurrieren gegeneinander. Yoon-Yeols Team Pantech Ex, das der Handyhersteller Pantech mit rund 1,5 Mill. Dollar im Jahr sponsort, spielt nur Starcraft. Andere Teams treten auch bei Turnieren für andere Computerspiele an. Die südkoreanische Regierung will auf dem Boom reitend nun die inländischen Spiele-Hersteller im Ausland fördern.

Yoon-Yeols Fanclub hat 170 000 Mitglieder. Auf den Schränken und Regalen im Trainingshaus stehen Plüschtiere und aus Papier gebastelte Glücksbringer, die die vornehmlich weiblichen Fans schicken. Vier Tage später, wenn er auf dem live übertragenen Turnier sein Spiel bestreitet, werden ihn einige dieser Fans lauthals anfeuern.

„Viele Leute kennen mich“, meint Yoon-Yeol. Im Restaurant etwa bekomme er ab und zu einmal ein Freigetränk. Fans sprechen ihn an. „Meistens finde ich das gut, aber manchmal, wenn ich mit Freunden etwas unternehmen, will ich einfach auch Freizeit haben.“

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