Serie: Generation Zukunft
Pauken für den Sprung nach vorn

Es sind vor allem Frauen, die an der UIBE Wirtschaft und Sprache studieren. Huang Ai ist eine von ihnen. Sie will ohne die Partei Karriere machen, lernt und lebt auf drei Quadratmeter. Doch der Staat behält die Studentin fest im Griff.

PEKING. Drei Quadratmeter voller Hoffnung. Oben auf dem Hochbett sitzt ein Teddy, daneben das Schwarzweißfoto eines Frauenkopfes, ausgeschnitten aus einem Magazin. Unter dem Bett auf Stelzen steht ein Schreibtisch, darauf ein Lenovo-Laptop. Ringsum Regale, wie ein Käfig. Darin Lehrbücher, Familienfotos, Schminksachen – Leas kleines Leben.

„Das ist mein ganzes Reich“, sagt die 23-jährige Chinesin und breitet lächelnd ihre Arme aus. Solch eine Wohn-Schlaf-Box aus Metall bietet nicht viel Privatsphäre, zumal in Zimmer 10023 des Pekinger Studentenwohnheims gleich drei solcher „Käfige“ auf engem Raum stehen. Oben schlafen und träumen, unten arbeiten, lesen, surfen. So paukt China.

Lea heißt eigentlich Huang Ai. Den Vornamen Ai, der auf chinesisch Liebe bedeutet, benutzt sie hier jedoch selten. Im Deutsch-Chinesischen Institut an der University of International Business and Economics (UIBE) geben sich die Studentinnen gern westliche Namen. Sie heißen Anita, Petra oder Astrid. „Aus Spaß“, sagt Lea. „Und es ist besser für eine Bewerbung.“

Es sind vor allem Frauen, die an der UIBE Wirtschaft und Sprache studieren. Acht Studentinnen kommen auf einen Studenten. Im Wohnheim leben die Männer unten auf zwei Stockwerken, darüber auf sieben Etagen die Frauen. Es gelten strenge Regeln: Fremde kommen nur mit Erlaubnis rein, Gäste darf man ausschließlich in Besucherzimmern treffen, der Strom wird um 23 Uhr abgeschaltet.

Lea hofft darauf, irgendwann diesem strengen Regiment zu entfliehen: „Ich würde sehr gern an eine Uni in Deutschland gehen“, sagt die Studentin, deren weiße Haut an feines chinesisches Porzellan erinnert. Wie die meisten ihrer Kommilitoninnen wünscht sie sich ein Auslandsstudium in Nürnberg oder Berlin und danach einen guten Job bei VW oder Siemens. Schon heute kommt jeder vierte Auslandsstudent weltweit aus dem Reich der Mitte. Die Sache hat nur einen Haken: „Deutschland ist so teuer“, seufzt Lea.

Ein guter Studienplatz und ein lukrativer Job sind wichtig für die ganze Familie – oft eine Lebensversicherung für mehrere Generationen. Welche Uni, welches Fach, welcher Professor – darüber tüftelt ein Familienrat meist über Wochen und wertet dabei auch komplizierte Hochschul-Rankings aus. Bei Lea traf schließlich die Mutter die Entscheidung für das Studienfach, und sie hofft, dass die Tochter den großen Sprung nach Deutschland schafft. Die freundliche und resolute Frau hat früher bei einer staatlichen Textilfabrik gearbeitet. Da seien die besten Maschinen immer aus Deutschland gewesen, erzählt sie. „Deutschland hat einfach einen guten Ruf in der Welt.“

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