Serie: Generation Zukunft
Weggehen, um zu bleiben

Polen leidet nicht nur unter einem Exodus der Ärzte. Auch Ingenieure, Facharbeiter und Krankenschwestern machen sich auf den Weg, um ihr Glück im Westen zu suchen. Wie Sebastian Majewski. Er kehrt seinem Land den Rücken – aber nur auf Zeit.

WARSCHAU. Sebastian Majewski will in Polen bleiben – und ist deshalb fest entschlossen, nach Deutschland zu gehen. „Dort kann ich Erfahrungen sammeln, die mir später in Polen berufliche Vorteile sichern“, sagt der 26-jährige Mediziner. Seit einem halben Jahr arbeitet er im Militärkrankenhaus im Warschauer Stadtteil Praga. Das Gebäude, der Korridor, die Türen – alles erinnert an eine Klinik im Deutschland der 60er-Jahre. Doch im Vergleich zu anderen Krankenhäusern in Polen stehen die Einrichtungen des Militärs noch vergleichsweise gut da.

Während immer mehr deutsche Ärzte ihrer Heimat den Rücken kehren, zieht es Majewski nach Westen. „Heute sind die Bedingungen in Polen so, dass sie Ärzten kein würdiges, zufrieden stellendes Leben ermöglichen“, sagt er. 15 Prozent aller polnischen Ärzte arbeiten mittlerweile im Ausland, weitere 15 Prozent sind auf dem Sprung dahin.

Viele gehen für immer, doch Majewski sieht Deutschland nur als Zwischenstation: Er will sich dort stärker als Hautarzt spezialisieren und außerdem seine Dissertation abschließen. Erste Kontakte hat er schon geknüpft. Allerdings muss er vor der Abreise noch Vokabeln pauken: Während sein Englisch dank zweier Praktika in den USA und in Norwegen schon fast perfekt ist, hapert es mit dem Deutschen noch ein wenig.

Majewski wohnt in Piaseczno, einer kleinen Industriestadt mit 50 000 Einwohnern vor den Toren Warschaus. Für Jugendliche ist das Leben hier nur auszuhalten, weil die Hauptstadt so nah ist. Abitur, das medizinische Staatsexamen, der Job als Assistenzarzt in der dermatologischen Abteilung des Militärkrankenhauses – alles hat bei dem Mediziner bisher reibungslos geklappt. Arbeitslosigkeit – eine Erfahrung, die viele junge Polen machen – hat er nie kennen gelernt.

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