Serie: Generation Zukunft
Zu wenig Pesos für den großen Traum

Cesar Gutierrez' inniger Wunsch ist es Arzt werden. Noch wichtiger ist ihm jedoch seine Mutter, die mit ihrem geringen Einkommen, die Pläne ihres Sonnes unter allerlei Entbehrungen unterstützt. Für den 21-jährigen Peruaner wurde das zum Problem: Er wollte nicht auf Kosten seiner Mutter studieren und überlegte, das Studium zu schmeißen.

BUENOS AIRES. Vor zwei Monaten hätte Cesar Gutierrez fast sein Medizinstudium geschmissen. Der 21-jährige Peruaner wollte lieber ganztags arbeiten gehen, weil die Familie knapp bei Kasse war. Für seine Mutter Evangelina brach eine Welt zusammen: Seit der Geburt ihres Sohnes lebt und arbeitet die 44-jährige Putzfrau für dessen Zukunft: Der Junge soll es besser haben als sie. Und er soll ihr irgendwann den Lebensabend finanzieren, wenn sie selbst nicht mehr kann. Cesar ließ sich überzeugen und studierte weiter. Und schuftet nachts als Kistenpacker, um etwas Geld nach Hause zu bringen.

Cesar ist 11 Jahre alt, als seine Mutter Trujillo - die drittgrößte Stadt Perus - verlässt, um ihr Glück in Argentinien zu versuchen. Ihr Sohn bleibt bei der Großmutter und geht auf eine staatliche Grundschule, die allerdings kein gutes Niveau hat. Evangelina schlägt sich in Buenos Aires mit Putzfrauenjobs durch, verdient zwischen 300 und 400 Dollar im Monat.

Trotzdem sorgt sie dafür, dass Cesar in Trujillo auf eine katholische Privatschule wechselt, obwohl sie das 200 Soles, rund 60 Dollar im Monat kostet. "Der Schulwechsel war schwierig", erinnert sich der Medizinstudent, "die Schule davor war schlecht, aber ich habe es geschafft." Unter der strengen Obhut der Oma schließt er das Abitur sogar mit einer Eins minus ab. Sein großer Traum ist, Medizin zu studieren. Doch an der staatlichen Universität von Trujillo sind die Studienplätze so knapp, dass ihm selbst seine ausgezeichnete Abschlussnote nichts nützt.

Als Cesar 18 Jahre alt ist, holt Evangelina ihn in die argentinische Hauptstadt nach. Die staatliche Universidad de Buenos Aires ist die größte Hochschule des Landes und eine der besten Lateinamerikas - und sie ist sogar kostenlos. Doch jetzt gibt es ein neues Problem: Cesar reiste illegal nach Argentinien ein und darf deshalb laut Gesetz keine staatliche Hochschule besuchen.

Statt im Hörsaal Medizinvorlesungen zu lauschen, beginnt er eine dreijährige Ausbildung, die ihn zum Computerspezialisten machen soll. Doch nach einem Jahr kann seine Mutter die 50 Dollar im Monat für die Schule nicht mehr aufbringen. Evangelinas Chefin - eine US-Amerikanerin, bei der die Peruanerin in der Woche wohnt, um den Haushalt zu machen und die Kinder zu betreuen - hat Mitleid und finanziert ihrem Sohn einen Englischkurs im British Council. "Die Patrona meiner Mutter fand Englisch wichtiger als eine Ausbildung zum Computerfachmann", erzählt Cesar, der seinen Mediziner-Traum damals schon platzen sah.

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