Serie: Kunst-Macher: Die Pioniere von Chelsea

Serie: Kunst-Macher
Die Pioniere von Chelsea

Manhattan, 19. Straße Ecke Westside Highway: Bis vor ein paar Jahren zeigte sich Chelsea hier noch von seiner übelsten Seite. Sogar den Straßengangs war es zu einsam zwischen all den Parkgaragen und Halden. Sie überließen den Kiez den Junkies und Strichern.

NEW YORK. Die legendäre Punkband „Sex Pistols“ soll hier in den Siebzigern für ein paar Monate gehaust haben. Drei Häuser weiter – gegenüber dem alternativen Kulturzentrum „The Kitchen“ – hat bis heute Neil Selkirk sein Atelier, der langjährige Assistent der berühmten amerikanischen Fotografin Diane Arbus (1923 - 1971). Sie suchte hier, an den Rändern der Gesellschaft, nach ihren Motiven. Ihre Bilder von Menschen abseits des amerikanischen Traums sind heute auf Auktionen nur für sechsstellige Dollarbeträge zu haben.

Und dann, Mitte der neunziger Jahre, kam der Boom. Chelsea wurde über Nacht zum neuen internationalen Mekka für zeitgenössische Kunst, und auch entlang der 19. Straße begannen sich die Galeristen einzurichten.

Doch vor allen anderen zogen Tanja Grunert, die früher eine Galerie in Köln führte, und Klemens Gasser, der als Galerist in Bozen arbeitete, in das Viertel. Bald, so witzeln die beiden heute, werde ihr Block wohl die Hauptattraktion in Chelsea sein. Immerhin wird auf dem Grundstück nebenan gerade ein Bürokomplex nach Entwürfen des Star-Architekten Frank Gehry hochgezogen.

In ihrer eigenen Galerie hat sich dagegen kaum etwas verändert – und das heißt auch: Bis heute gibt es noch nicht einmal ein Schild an der Tür. Und eine Homepage im Internet? Fehlanzeige. „Wer uns finden will, der bekommt das schon hin“, winkt der 40-jährige Gasser gelassen ab.

Und tatsächlich – trotz des Guerilla-Marketings kommen dennoch alle, die in der Szene Rang und Namen haben. In der Kundenkartei des Ehepaares findet sich so der britische Sammlerzar Charles Saatchi neben einem Harald Falckenberg aus Hamburg oder US-Mäzene vom Kaliber des Immobilien-Tycoons Marty Margulies.

Dabei gehören Gasser und Grunert zu einer zunehmend seltenen Spezies im New Yorker Galerienbetrieb. Cool und aalglatt geht es in den meisten Kunstboutiquen Chelseas zu. Schon am Eingang weiße Tresen, hinter denen die Blicke der Empfangsdamen frösteln lassen. Wer Interesse zeigt, wird schnurstracks an die „sales-people“ verwiesen – die wenigsten bekommen bei den Top-Adressen überhaupt noch eine Audienz beim Galeristen selbst.

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