Serie
Mitten in der Krise: Banker mit Rekordgewinn

Brasilien hat seine Schwächen überwunden und gute Chancen, gestärkt aus der globalen Wirtschaftskrise hervorzugehen. Das Handelsblatt stellt Menschen vor, die für das neue Brasilien stehen. Heute: Roberto Setúbal. Wie der Chef der Bank Itaú mitten in der Krise den Rivalen Unibanco übernimmt und Milliarden verdient.

SÃO PAULO. Als der schmale, elegante Herr mit dem gut sitzenden Anzug zu reden beginnt, merken die wenigsten im Publikum, dass gerade eine neue Epoche beginnt. Denn der brasilianische Banker Roberto Setúbal spricht ruhig - von Gewinnwachstum und von zweistelligen Renditen seiner Bank. Banco Itaú heißt sie. Er spricht vom stabilen Finanzsystem seines Landes, ohne einen einzigen Konkurs. Von den hohen Eigenkapitalquoten der brasilianischen Banken und der strengen Aufsicht.

Seine Bankerkollegen aus dem Norden registrieren das kaum. Sie sind zerstreut und vor allem mit sich selbst beschäftigt. Kaum vorstellbar für sie, dass es 2008 irgendwo noch Banken gibt, die in der historischen Finanzkrise immer noch wachsende Gewinne prognostizieren - so wie Setúbal. Fast trotzig wirkt es, als etwa William Rhodes, Topmanager der amerikanischen Citigroup, darauf beharrt, dass alle im gleichen Boot sitzen: "Ich glaube nicht, dass irgendwelche Volkswirtschaften sich von der Krise abkoppeln werden." Auch bei Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, klingt leichte Ironie durch, als er sagt: "Die Stimmung in den USA und Europa ist fürchterlich - umso mehr freuen wir uns, dass wir uns in Brasilien in einem der neuen Wachstumsmärkte weltweit treffen."

Das war im März vergangenen Jahres bei der Frühjahrstagung des internationalen Bankengremiums, des Institute of International Finance (IIF), in Rio de Janeiro - und Setúbals kaum beachteter Auftritt markierte eine historische Zäsur: Erstmals stehen Banken aus den großen Schwellenländern wie China und Brasilien weit besser da als die Giganten aus Europa und den USA. Diese Diskrepanz zwischen den einstigen Marktführern, die kräftig ins Trudeln geraten sind, und den Aufsteigern, die stabil sind und sogar noch wachsen, hat sich im Verlauf der Krise noch verschärft.

Wie kaum eine andere Bank steht Itaú-Unibanco für die positive Entwicklung eines Instituts in der Krise. Vermutlich hätten die versammelten Banker dem freundlichen Brasilianer Setúbal damals genauer zugehört, hätten sie geahnt, dass er im Krisenjahr 2008 einen Rekordabschluss von 3,4 Mrd. Dollar erzielen würde. Dem 54-Jährigen gelang das Kunststück, ein paar Monate später sein Haus mit dem Rivalen Unibanco zur größten Bank Lateinamerikas zu fusionieren. Mit einer Marktkapitalisierung von derzeit 66 Milliarden Dollar zählt sie zu den rund einem Dutzend größten Instituten weltweit. Sie hat die Schweizer UBS, die Deutsche Bank oder auch die Citigroup weit hinter sich gelassen.

Seite 1:

Mitten in der Krise: Banker mit Rekordgewinn

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%