Serie: Pioniere der Wirtschaft
Erich Sixt: „Unternehmer sind Abenteurer“

Wie Erich Sixt jedes Jahr 100 000 Autos kauft, sich mit Oskar Lafontaine und Prinz Charles anlegt - und warum er nichts von betrieblicher Mitbestimmung hält.

PULLACH. Erich Sixt ist 18 Jahre alt, als der elterliche Betrieb in heftige Turbulenzen gerät. Vater Hans hat 1962 gerade seine erste außergewöhnliche Idee entwickelt, übrigens unter ausdrücklicher Zustimmung seines Sohns: „Das war eigentlich eine tolle Idee: für den Einheitspreis von 20 D-Mark am Tag europaweit ein Auto mieten.“

Die Aktion läuft blendend. Binnen kürzester Zeit stapeln sich Tausende von Vorbestellungen vor allem amerikanischer Touristen. Das Problem: Die Münchener Firma hat damals gerade drei Filialen, im Ausland ist sie gar nicht präsent. Mit Subunternehmern will Sixt die neue Kundschaft bedienen, allein in Frankreich findet sich partout kein Partner. „Die drohenden Vertragsstrafen hätten die Firma mit Sicherheit in den Ruin getrieben“, erinnert sich Erich Sixt heute.

Also heuern Vater und Sohn 70 Studenten an, die binnen 24 Stunden 70 Leihautos von München nach Paris lenken. Dort mietet Erich Sixt am Flughafen Le Bourget einen kleinen Laden und einen Parkplatz, nimmt die Touristen persönlich in Empfang, prüft Führerscheine, stellt Mietverträge aus. Nachts wäscht er die zurückgegebenen Autos, repariert sogar kleinere Schäden selbst. „Über sechs Monate habe ich das alleine gemacht. Heute kalkulieren wir für diese Arbeiten mit fünf bis sechs Angestellten.“

Als die Vorbestellungen abgearbeitet sind, kehrt Sixt zurück nach München. Er fühlt sich bereit für höhere Aufgaben, doch der Vater schickt ihn erst mal an die Universität: Betriebswirtschaftslehre soll es sein. Vier Semester lang hört sich der junge Erich die Vorlesungen in München an, dann bricht er das Studium ab: „Die ganze Betriebswirtschaft basiert doch auf einem einzigen Axiom: dass der Mensch rational handelt. Aber er tut es nicht. Und deshalb können Sie das alles vergessen.“

Zwei Episoden aus seinen Lehrjahren, die Erich Sixt, 61, erzählt, wenn man ihn danach fragt, wie es ihm gelungen ist, zu Europas erfolgreichstem Mietwagen-Verleiher aufzusteigen: mit ständigem Mut zum Risiko, auch neue, mitunter provokante Wege zu suchen und nie nachzulassen. „Für mich sind Unternehmer die letzten Abenteurer“, sagt er. Und findet sich wieder in den Worten des Philosophen Seneca: „Du glaubst, du hast einen Gipfel erstiegen, und in Wahrheit ist es nur eine Stufe.“ In diesem Sinne ermahnt Sixt sich selbst und seine Mitarbeiter, ständig daran zu denken, dass man sich nicht auf vergangenen Erfolgen ausruhen darf. Zufriedenheit sei der größte Feind künftiger Erfolge.

Jedes Jahr kauft die Firma für mehr als zwei Milliarden Euro über 100 000 neue Fahrzeuge, davon allein 20 000 der Marke Mercedes, sie ist damit weltweit der größte Kunde in Stuttgart. Die Autos können in 75 Ländern an fast 1 400 Stationen gemietet werden. 2005 nähert sich der Umsatz der Marke von 2,5 Milliarden Euro. Die Münchener sind in der Heimat Marktführer und liegen hier weit vor Weltkonzernen wie Avis und Hertz.

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